>> WirBier – Trinken für den guten Zweck

Mit dem Hintergrund, dass Trinkwasser ein Grundrecht für alle Menschen sein sollte, haben sich vier Studierende der WiSo und FAU zusammengetan, um Bier für den guten Zweck zu brauen. Vivien, Bernd, Sanjog und Alex haben mit Unterstützung der Digital Tech Academy der FAU eine Non-Profit-Organisation gegründet, die soziale Wasserprojekte in Entwicklungsländern durch den Verkauf von selbst gebrautem Bier fördern soll. Angefangen mit dem Bierbrauen auf dem eigenen Balkon, konnte WirBier durch den Vertrieb von „Wilhelmine“ und „Friedrich“, dem offiziellen FAU-Bier, bereits über 1000 Euro spenden – und das obwohl die aktuelle Corona-Pandemie das Team vor große Herausforderungen gestellt hat.

Wir hatten die Gelegenheit, den Gründerinnen und Gründern von WirBier einige Fragen zu ihrem Start-up sowie dem Gründungsalltag zu stellen: 

Könnt ihr euch als Team bitte einmal vorstellen?
Vivien (27) hat ihr Masterstudium in International Business Studies an der WiSo Nürnberg abgeschlossen, Alex (31) hat seinen PhD in Laserphysik gemacht und Sanjog (28) und Bernd (27) haben an der WiSo den Master in International Information Systems absolviert.

Das Team von WirBier: Vivien, Bernd, Sanjog und Alex (von links nacht rechts)

Wie sind die Idee und das Konzept von WirBier entstanden?
Kennengelernt haben wir uns in der FAU Digital Tech Academy (DTA). Das Programm der DTA und das damit einhergehende Coaching wollten wir nutzen, um ein “Social Start-Up” zu gründen. Während der anfänglichen Ideenfindung sind wir auf überraschende Zahlen gestoßen: Über zwei Milliarden Menschen weltweit haben immer noch keinen Zugang zu sauberem Wasser. Eine Milliarde davon hat noch nicht ein Mal Zugang zu sauberem Trinkwasser. Diesen Zustand konnten und wollten wir nicht akzeptieren. Ab diesem Moment war für uns klar, dass wir einen Beitrag dafür leisten wollen diese Situation zu ändern. Daher besteht das Konzept von WirBier darin, auf diese Wasserproblematik aufmerksam zu machen.
Es gibt bereits einige Getränkesorten mit sozialem Gedanken, wie z. B. Limonaden, Tees oder Wasser. Zu unserer Überraschung gab es jedoch so gut wie kein soziales Bier. Diesen Umstand haben wir genutzt. Für uns war klar, dass es in Franken bzw. in Bayern oder sogar Deutschland vermutlich kaum einen besseren Weg gibt, eine positive Message zu transportieren, als mit Bier. Unser Leitmotiv ist es daher nicht, mit negativen Bildern darauf aufmerksam zu machen, sondern es den Menschen zu ermöglichen auf einfache Weise Gutes zu tun und dabei Spaß zu haben – durch unser Bier. Dadurch, dass wir mit Alex ist einen leidenschaftlichen und bereits preisgekrönten Hobbybrauer in unserem Team haben, war der erste Schritt in Richtung “WirBier” schon getan.

WirBier ist ja eine Non-Profit Organisation. Könnt ihr uns mehr über die Projekte erzählen, die ihr unterstützt?
Um mit den gesammelten Erlösen soviel wie möglich umsetzen zu können, haben wir uns für den Anfang dafür entschieden, mit Viva con Agua zu kooperieren. Viva con Agua ist ein Hamburger Verein, dessen Handeln perfekt zu unserer Philosophie passt. Mit dem Verein zu arbeiten ist momentan der ideale Weg für uns, denn einen Spendenkanal aufzubauen ist sehr kosten- und zeitintensiv. Zudem ist unser Start-up aktuell vermutlich noch zu klein, um dies zu bewältigen.

Wo können Studierende der WiSo euer Bier aktuell kaufen?
Auch für uns hatte die Pandemie erstmal Unsicherheiten hinsichtlich der Planung zur Folge. Daher haben wir beschlossen, diese ungewisse Lage abzuwarten, bis eine Planung wieder möglich ist und wir eine Perspektive sehen, unser Bier wie bisher an die Menschen zu bringen.
Zuvor konnte man das Bier über die jeweiligen Verkaufsaktionen der FAU, in Bars (z. B. im “Wanderer” oder “El Kaiser”), durch eine private Kontaktaufnahme oder über das Formular auf unserer Website bzw. über Social Media kaufen. Letzteres werden wir auch nutzen, um bekannt zu geben, wann wir unser nächstes Bier brauen. Seit Kurzem ist unser Lager nämlich komplett leer. 

Was hat euch besonders Spaß gemacht beim Aufbau eures Start-ups?
Besonderen Spaß hat uns die Zeit in der DTA bereitet – eine tolle Mischung aus lehrreichen Workshops und gemeinschaftlichen Aktivitäten. Darüber hinaus genießen wir es nach wie vor, gemeinsam als Team, Zeit zu verbringen. Nachdem es die aktuellen Maßnahmen in Bezug auf Corona oft nicht zugelassen haben, fanden unsere letzten Treffen allesamt virtuell statt. 🙂

Die Sorten von WirBier: Wilhelmine (links) und Friedrich (rechts)

Was war für euch euer größter Erfolg und eure größte Herausforderung?
Ein großer Moment war für uns, als wir den Erlös von 1000 Euro, den wir durch den Verkauf unseres ersten Bieres gesammelt haben, an Viva con Agua übergeben durften. Der Verkauf unseres Bieres fand damals an verschiedenen Standorten der FAU statt und würde gekrönt mit einem großartigen Online-Event, dem virtuellen Bieranstich der Erlanger Bergkirchweih 2020. Begleitet wurde die Veranstaltung auch durch Live-Musik der “WirBand”. Diese besteht aus Sanjog, seinem Bruder, Doro und Michi, die wir allesamt aus der DTA kennen.
Wir wollten zusätzlich zu WirBier einen ehrenamtlichen Verein gründen, bei dem jeder Mitglied und Teil der Bewegung sein kann. Allerdings ist dies nicht ganz so einfach, wie man es sich vorstellt und ist daher eine große Herausforderung für uns gewesen. Die bürokratischen und rechtlichen Herausforderungen sind nämlich nicht so einfach von der Hand zu weisen.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?
Nachdem wir nun alle das Studium bzw. die Promotion abgeschlossen haben, möchten wir in Zukunft weiterhin, neben unseren Berufen, mit unseren Bieren auf die oben genannte Wasserthematik aufmerksam machen und den Menschen eine einfach Möglichkeit geben, ihren Teil dazu beizutragen, während sie Spaß haben und ein leckeres WirBier genießen. Denn, wenn es für uns selbstverständlich ist jederzeit ein kühles Bier zu trinken, dann sollte es unserem Verständnis nach, allen Menschen weltweit möglich sein, Zugang zu sauberem Trinkwasser zu haben.

Ihr durftet mit WirBier nun schon einige Erfahrungen machen. Welche Tipps würdet ihr noch ganz jungen Start-ups geben?
Einfach starten, einfach machen. Natürlich nicht ohne sich Gedanken gemacht zu haben, allerdings sich auch nicht zu viele Gedanken machen. Denn es geschehen immer unplanbare Sachen, auf die man sich nur schwer oder manchmal auch gar nicht vorbereiten kann. Sobald man die ersten schwierigen Schritte getan hat, kommen auch die ersten Lerneffekte und Erfahrungen. Daran wächst man!
Zudem macht es riesigen Spaß sich einer Sache hinzugeben, von der man überzeugt ist.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch und eurem Start-up WirBier weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

Ihr seid neugierig geworden und wollt mehr Informationen zu dem, was die Studierenden mit ihrem Start-up WirBier auf die Beine gestellt haben? Dann schaut auf ihrer Webseite. Ihr findet sie aber auch auf Instagram oder Facebook.

Die FAU bietet viele, sehr erfolgreiche und spannende Programme zur Förderung von Start-ups an. Interessierte, die gerne noch Erfahrungen in diesem Bereich sammeln möchten oder den Entwicklungsprozess eines Start-ups mal miterleben möchten können unter Anderem wählen zwischen Programmen der Digital Tech Academy, der FAU Sandbox und neuerdings auch dem Existency Programm, das aus Zusammenarbeit der TH Nürnberg, der HS Ansbach und der FAU entstanden ist.

Wenn euch das Thema „Start-ups“ interessiert, dann schaut auch in den kommenden Wochen weiterhin mal auf dem WiSo-Blog vorbei. Hier bekommt ihr Einblicke in den Gründungs- und Entwicklungsprozess von Start-ups auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Einige spannende Beiträge zu den Start-ups Finalaize, arfinity, Libati, Primoza und OnlineTasting findet ihr bereits auf dem WiSo-Blog.