>> Online-Tasting – Gin, Whiskey und Wein mit Freunden zuhause testen

Was in Zeiten von Corona fast zur Normalität geworden ist könnte auch in der Zukunft eine perfekte Beschäftigung für einen Abend mit Freunden werden: Online-Tastings. Oftmals abgetan als “langweilige” Vorträge über Wein und Co. wollen vier Freunde aus Nürnberg, von denen zwei ihr Studium an der WiSo absolvieren bzw. absolviert haben, das Konzept überholen und für alle Altersgruppen ansprechend machen. Mit Witz und Charme wollen sie auf unterhaltsame Weise über die verschiedensten Spirituosen informieren – und das am besten im heimischen Wohnzimmer. Welche Herausforderungen das Team hierbei bereits meistern musste und welche Umstrukturierungen das Start-up aktuell plant haben wir die vier gefragt und spannende Antworten erhalten:

Könnt ihr euch und euer Team zunächst kurz einmal vorstellen?

Wir sind insgesamt vier Freunde Andreas (28 Jahre), Nico (31 Jahre), Felix (27 Jahre) und Timon (27 Jahre). Andreas hat an der IBS Nürnberg studiert und arbeitet seit Jahren als Coach und Moderator. Auch bei online-tasting.de moderiert er die Tastings und kümmert sich nebenbei um die Social Media Kanäle. Timon studiert an der WiSo International Information Systems im Master und kümmert sich darum, dass die Abläufe und die IT stehen. Außerdem ist er für unsere Buchhaltung und Finanzen verantwortlich. Felix und Nico sind unsere Wein- und Ginexperten und kümmern sich auch um unsere externen Moderator*innen und Expert*innen sowie unsere Partner-Weingüter. Felix hat Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik an der WiSo studiert und Nico Psychologie. Beide sind also Quereinsteiger und haben über Fortbildungen ihr Hobby zur Profession gemacht.

Nico Ruhara, Andreas Pabst, Felix Rosenthal, Timon Sengewald (v. l. n. r.)

Wie habt ihr euch als Team gefunden und wann kam die Entscheidung, selbstständig zu werden?

Wir waren vor der Gründung in unterschiedlicher Form mit Felix verbandelt. Felix und Timon haben zusammen studiert und bereits eine Firma gegründet, Nico und Andi kannte er von ehrenamtlichen Tätigkeiten bei Rotary bzw. Rotaract. Seit 2016 haben Felix und Nico kleine Tastings im privaten Rahmen veranstaltet. Die Gäste hatten riesige Freude bei den Verkostungen, da wir in ungezwungener Runde nicht nur Fakten und Informationen vermittelt haben, sondern durch den Einbau einer humoristischen Moderation auch Neulinge in dem Bereich gut abholen konnten. Da die Nachfrage immer größer wurde, reifte die Idee, das Ganze in ein echtes Geschäft zu verwandeln. In den letzten Monaten hat sich durch die Entwicklungen ein plötzlicher Bedarf entwickelt – insbesondere im Bereich von Team- und Firmenveranstaltungen, der uns letztendlich zu diesem Schritt motiviert hat.

Wie habt ihr euch selbstständig gemacht? Hattet ihr Hilfen bei dem Schritt in die Selbstständigkeit (z.B. Coach, Finanzielle Unterstützung)?

Wir alle haben in anderen Projekten bereits Erfahrungen mit der Selbstständigkeit und Unternehmertum sammeln können und dieses Wissen konnten wir in das neue Unternehmen transferieren. Konkret konnten wir bei einem früheren Start-up beispielsweise auf die Gründerberatung der FAU zurückgreifen. Heutzutage ist man als Entrepreneur in der tollen Situation, dass man viel outsourcen oder auf Softwaretools zurückgreifen kann, die einem bestimmte Aufgaben erleichtern. Manchmal macht es gerade bei kleineren Gründerteams Sinn, sich die Expertise ins Team zu holen, wenn outsourcen nicht möglich oder zu teuer ist. Ansonsten hat uns unser Studium auch sehr gut unterstützt. Insbesondere im Masterbereich existieren mittlerweile extrem gute Angebot, z.B Create your Fintech Start-up, Recht für Start-up Unternehmen, Entrepreneurship usw. Aber auch die klassischen Fächer im Bachelor wie Buchhaltung oder Recht helfen ein gutes Grundwissen aufzubauen.

Ihr habt erwähnt, dass ihr euch aktuell in einer Umstrukturierungsphase befindet. Wie läuft das genau ab?

Wir wollen die Anlaufstelle für virtuelle Tastings werden. Deswegen planen wir im nächsten Schritt den Ausbau zu einer Plattform und integrieren auch externe Anbieter und neue Angebote. Hierfür schauen wir uns vor allem in unseren privaten und beruflichen Netzwerken um. Da haben wir in den letzten Jahren viele interessante Personen kennenlernen dürfen, die das Team gut ergänzen. Zudem suchen wir gezielt nach anderen Online-Anbietern, die zu unserem Konzept und der Zielgruppe passen, um auch ihre Angebote zu integrieren. Ein weiterer Plan ist zukünftige auch physische Angebote zu einzubinden, sei es die (Wein-)Bar in der eigenen Stadt oder der Winzer, der eine Verkostung auf dem eigenen Weingut anbietet. Unser Plattformansatz geht hier über das reine Listen hinaus und erfordert damit auch Bildungsangebote für einen gemeinsamen Standard, die wir unseren externen Partnern anbieten.

Warum tätigt ihr diesen Schritt und welche Herausforderungen das mit sich?

Wir sind zwar sehr früh gestartet, mittlerweile sind aber viele weitere Anbieter entstanden und es fehlt aktuell einfach ein guter Marktüberblick. Zudem sehen wir den Bedarf unserer Kunden nach neuen Themen und Abwechslung. Im Bereich Wein haben wir uns beispielsweise auf deutsche Weine konzentriert und möchten diese nun auch um andere Länder erweitern. Dasselbe gilt für Spirituosen, aber auch andere Lebensmittel wie beispielsweise Käse, Olivenöl, Gewürze usw. Die Herausforderung ist dabei vor allem, dass wir stets unseren Qualitäts- und Unterhaltungsanspruch halten und alle Anfragen adäquat und schnell bedienen können. Technisch kommen aber nun auch ganz neue Anforderungen auf uns zu, weil unser System neue Funktionalitäten wie Messaging und Verwaltungsoptionen für die externen Anbieter benötigt.

Wie schafft ihr es euch von anderen Unternehmen aus ähnlichen Branchen abzuheben?

Wir arbeiten aktuell mit einem Duo aus Moderator*in und Tastingexpert*in, welches unsere Gäste mit viel Witz und Charme durch den Abend führt und alle Fragen im Gespräch beantwortet. Das ist für uns ein sehr wichtiger Aspekt, weil wir keine elitären und langweiligen Tastings machen wollen, sondern ein Event für jede Altersgruppe, bei dem man sich den Sommelier in die eigenen vier Wände holt. Wir setzen dabei nicht auf Live-Streams mit reinem Chat, sondern ermöglichen unseren Teilnehmer*innen interaktiv am Tasting und den Gesprächen teilzunehmen. Viele andere Anbieter im Bereich der digitalen Verkostungen reduzieren sich meist nur auf die reine Wissensvermittlung, dabei bleibt das Entertainment und der Anspruch der Gruppe oft auf der Strecke. Wir setzen ganz klar den Fokus auf den Unterhaltungscharakter, dazu nützliches und unnützes Wissen. Am Ende der Tastings kann man zudem alle unsere Weine vergünstigt nachbeziehen.

Wie bringt ihr Menschen dazu euer Produkte bzw. eure Dienstleistung auszuprobieren?

Wir schalten vor allem Werbung über soziale Medien (wie Instagram, Facebook, TikTok) aber auch in unseren beruflichen und privaten Netzwerken. In der Anfangsphase konnten wir insbesondere von den steigenden Suchanfragen in diesem Bereich profitieren. Die neue Herausforderung liegt darin, zu kommunizieren, dass virtuelle Tastings eine dauerhafte Unterhaltungsalternative für Leute sind, die gerne Events mit Freunden zuhause veranstalten und dafür neue Konzepte suchen. Unsere Tasting-Sets mit 0.75l Flaschen reichen normalerweise gut für bis zu acht Personen. Das Hauptaugenmerk wird also zukünftig darauf liegen, die Idee zu vermitteln, dass ich ein paar Freunde zu mir nach Hause einlade und gemeinsam den Abend genieße. Man kann locker fünf, sechs oder mehr Wein-Tastings machen und kann jedes Mal etwas Neues lernen oder einen neuen Geschmack entdecken. Man kann viel an hochwertigen Lebensmitteln entdecken, da sie eine so große Geschmacks und Aromavielfalt bieten.

Welche Charaktereigenschaften sind eurer Meinung nach nötig, um als Unternehmer*in erfolgreich zu sein?

Wir würden hier Unternehmer*in noch einmal von Entrepreneur*in unterscheiden, da es mit Sicherheit verschiedene Eigenschaften erfordert ein neues Unternehmen aufzubauen oder ein stark gewachsenes zu führen. Das eine schließt das andere nicht aus, aber zur Einfachheit und aufgrund unseres Erfahrungsschatzes gehen wir mal nur auf die notwendigen Eigenschaften eines Entrepreneurs ein. Zuallererst erfordert es hohe Einsatzbereitschaft und Ausdauer. Neben dem visionären Blick sollte man auch ein gutes betriebswirtschaftliches Gespür haben. Das ist manchmal gar nicht so leicht, bestimmte Entscheidungen zu treffen, weil man sehr viel im Blick behalten muss, um das Unternehmen langfristig erfolgreich zu halten. Ein Gründerteam macht sehr viel Sinn, um diese verschiedenen Aspekte in Einklang zu bringen. So kann man über wichtige Entscheidungen aus verschiedenen Blickwinkeln argumentieren.  

Was war euer bisher größter Erfolg?

Insgesamt sind wir sehr froh, dass wir viele tolle Partner wie z. B. unseren Fulfillment-Dienstleister gewinnen konnten. Zudem durften wir zahlreiche Veranstaltungen für namhafte Firmen und Hochschulen organisieren, was uns besonders stolz macht. Besonders stolz sind wir aber über die Nominierung als FAU Innovator des Jahres in der Kategorie Alumni. Wir freuen uns, dass wir neben zwei so tollen Start-ups wie Duschbrocken und Grino Water Solutions zur Wahl stehen.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch und eurem Start-up Online-Tasting weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

Ihr seid neugierig geworden und wollt mehr Informationen zu dem, was die Studierenden mit ihrem Start-up Online-Tasting auf die Beine gestellt haben? Dann schaut auf ihrer Webseite vorbei.

Die FAU bietet viele, sehr erfolgreiche und spannende Programme zur Förderung von Start-ups an. Interessierte, die gerne noch Erfahrungen in diesem Bereich sammeln möchten oder den Entwicklungsprozess eines Start-ups mal miterleben möchten können unter Anderem wählen zwischen Programmen der Digital Tech Academy, der FAU Sandbox und neuerdings auch dem Existency Programm, das aus Zusammenarbeit der TH Nürnberg, der HS Ansbach und der FAU entstanden ist.

Wenn euch das Thema „Start-ups“ interessiert, dann schaut auch in den kommenden Wochen weiterhin mal auf dem WiSo-Blog vorbei. Hier bekommt ihr Einblicke in den Gründungs- und Entwicklungsprozess von Start-ups auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Einige spannende Beiträge zu den Start-ups Finalaize, arfinity, Libati und Primoza findet ihr bereits auf dem WiSo-Blog.