>> Maximilian Harl über seine erste Präsenzphase bei der Bayerischen EliteAkademie

Bis zum 12. Dezember 2021 kann man sich noch für den 24. Jahrgang der Bayerischen EliteAkademie (BEA) bewerben. Maximilian Harl studiert den Master International Information Systems und Bioinformatik an der WiSo und ist bereits Teil des 23. BEA-Jahrgangs. Vor einigen Wochen haben wir bereits einen Artikel über grundlegende Informationen der BEA veröffentlicht. Dieser ist unter www.wiso.fau.de/maximilian-harl-fuer-den-23-jahrgang-der-bayerischen-eliteakademie-bea-ausgewaehlt/ zu finden.

Im vergangenen August fand die erste Präsenzphase des 23. Jahrgangs der BEA statt. Wie diese abgelaufen ist, welche Eindrücke der Stipendiat mit uns teilen möchte und welche Herausforderungen er in dieser Zeit bereits meistern musste haben wir ihn gefragt und spannende Antworten erhalten:

Rückblickend – Kannst du uns ganz allgemein von der ersten Präsenzphase der BEA berichten? Was fandest du besonders gut?
Am besten erzähle ich für einen ersten Einblick von der Struktur meiner ersten Präsenzphasen in der BEA.

Ein prototypischer Tagesablauf von uns sah so aus:

06:30 Uhr:Aufstehen
07:00 – 07:30 Uhr: Schwimmen
08:00 Uhr:Frühstück
09:00 – 17:00 Uhr:Seminar
17:00 – 18:30 Uhr:Freizeit
18:30 Uhr:Abendessen
19:30 Uhr:Kaminabend

Es fand jeden Tag ein spannendes Seminar statt, doch mein persönlicher Favorit war das Seminar zur Unternehmensethik. In diesem Seminar ging es darum, wie man verantwortungsvoll in einem Unternehmenskontext handeln kann und bewusst verantwortungsvolle Entscheidungen trifft. Auch interessant war das Seminar „Verantwortungsvolles Handeln in komplexen Systemen“, dessen Schwerpunkt auf den vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrise lag. Gehalten wurden unsere Seminare immer von interessanten Professoren und Professorinnen oder Personen aus Wirtschaft und Politik, wie beispielsweise Prof. Kaserer und Thomas Sattelberger (MdB).
Zu den regelmäßigen Kaminabenden wurden bekannte Persönlichkeiten, mit welchen wir den Abend lang und ausführlich über spannende Themen sprechen konnten, eingeladen. Unsere Gäste waren unter anderem Verena Bentele (Präsidentin des Sozialverband VdK Deutschland e. V.), Barbara Karuth-Zelle (CEO von Allianz Technology SE) und Alena Buyx (Vorsitzende des Deutschen Ethikrats). Mit all diesen Leuten konnte man, unabhängig von deren beruflichen Stellungen, sowohl in den Seminaren als auch bei den Kaminabenden auf Augenhöhe diskutieren. Das war wirklich besonders, weil so ein angenehmer Dialog entstehen konnte, anders als in vielen Vorlesungen, in welchen man meist nur einen monodirektionalen Austausch hat. Das hat mich sehr positiv überrascht und motiviert.
Im Anschluss an die Kaminabende gab es meistens ein geselliges Zusammensitzen bis spät in die Nacht mit den Mitstipendiaten uns Mitstipendiatinnen. Normalerweise hatten wir zwischen drei und vier Stunden Schlaf, mehr war da nicht drin. 😀
Am Wochenende fanden auch samstags manchmal Seminare statt. Den Sonntag hat man zum Schlafen und Ausruhen genutzt, damit man in der nächsten Woche wieder funktioniert hat.

Wovon konntest du persönlich am meisten profitieren?
Am meisten habe ich von den verschiedenen Persönlichkeiten, die wir in unserer Zeit bei der BEA kennenlernen durften, profitiert. Man bekommt einen Einblick in die Art und Weise, wie sie sich ihren Weg gebahnt haben, wovon man wirklich sehr viel lernen kann. Hierzu zählen nicht nur die Dozenten, Dozentinnen und Gäste der Kaminabende, sondern selbstverständlich auch alle Mitstipendiaten und Mitstipendiatinnen. Es fand immer auch ein persönlicher Austausch über die Absichten, Ziele, Werdegänge und Historien statt. Dies hatte für mich, und bestimmt auch für andere, einen enormen Mehrwert geboten.

Gibt es im Nachhinein Sachen, die du dir anders vorgestellt oder die du anders erwartet/gewünscht hast?
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen noch ein oder zwei Klausuren, die online stattgefunden hätten, während der Präsenzphase zu schreiben. Diese habe ich jetzt aber geschoben, weil die Zeit doch intensiver war als gedacht und somit keine Zeit zur Prüfungsvorbereitung blieb. Es gab zwar schon die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, z. B. nach den Kaminabenden. Dies wollte aber kaum jemand, da jeder sich mit den Mitstipendiaten und Mitstipendiatinnen austauschen wollte. Das habe ich anders erwartet, war aber positiv überrascht, obwohl es eher einen zeitlich negativen Einfluss hatte.

Woher kamen die anderen Stipendiaten und Stipendiatinnen und wie war die Verteilung ihrer Fachbereiche?
Ich war leider in diesem Jahrgang der einzige Teilnehmer der FAU wohingegen von der TU München 20 Personen teilgenommen haben. Insgesamt waren wir 40 Leute von fast allen bayerischen Universitäten, wie z. B. München, Passau, Regensburg und Nürnberg. Bezüglich der Fachbereiche hatten wir eine unglaublich starke Interdisziplinarität in unserem Programm. Die größte Fraktion waren eindeutig die WirtschaftlerInnen und WirtschaftsingeneureInnen. Informatiker und WirtschaftsinformatikerInnen gab es aber auch einige. Genauso hatten wir Physiker, Mathematiker, Chemiker, Philosophen und Volkswirte. In Bezug auf Diversität hatten wir tatsächlich einen 50/50 Geschlechterausgleich und auch von der politischer Orientierung oder Meinung war fast das komplette Spektrum vertreten. Die unterschiedlichen Fachbereiche und auch politischen Orientierungen waren meiner Meinung nach enorm wichtig für die Diskussionen, da so viele verschiedenen Eindrücke und Sichtweisen eingebracht werden konnten.

Dann noch was zum Bewerbungsprozess – Wie hast du denn diesen wahrgenommen?
Der Bewerbungsprozess hat vier verschiedenen Stufen. Zuerst hat man sich mit einem Motivationsschreiben und einem Essay beworben. Darauf folgten zwei Gesprächsrunden, wobei eine mit dem Vertrauensdozenten der FAU und die andere mit dem betriebswirtschaftlichen Leiter der BEA war. Im nächsten Schritt kamen dann die Auswahltage, was für mich aufgrund von Corona nur ein Online-Auswahltag war. Dort hat man dann auch vier Gespräche geführt.
Wie bei jedem Stipendiumsprogramm wird nicht nur geschaut, ob eine Person spannend ist, sondern vor allem werden Personen gesucht, die bezüglich der Mentalität oder ihrer Lebensziele gut zur BEA passen. In den meisten Gesprächen wollen sie einen herausfordern und aus der Reserve locken. Bei dem Gespräch mit dem Vertrauensdozenten wurden Sachen zum Studium gefragt. Deswegen konnte man diese Gespräch gut meistern. Das Gespräch mit den Geschäftsführer der BEA ging eher in die Richtung Ziele und Hobbies neben der Uni. Hier wurden beispielsweise folgende Fragen gestellt: Wie engagiert man sich? Was ist die mentale Ausrichtung? Wie würde man sich in verschiedenen Situationen verhalten? Die auf die ersten beiden Gesprächsrunden folgenden Auswahltage beginnen mit ein paar Fragen, welche man im großen Plenum von 30 Leuten beantwortet. In meinem Fall waren es Fragen zu Zielen, Motivation und Beweggründen hinter der Bewerbung, aber auch Hürden, die man mithilfe des Programms meistern möchte. Darauf folgen zwei weitere Gesprächsrunden, ein fachliches und ein persönliches Gespräch. Im persönlichen Gespräch ging es um behavioral, also verhaltensorientierte Fragen. Zum Beispiel: Wie verhält man sich in bestimmten Situationen? Wie trifft man Entscheidungen? Beim fachlichen Gespräch ging es eher darum: Wie passen die Dinge zusammen? Verfolgt man eher akademische oder wirtschaftliche Ziele? Will man ein Unternehmen gründen? Diese beiden Gespräche sind am herausforderndsten. An sich waren es coole Gespräche, in denen man bereits erste Persönlichkeiten der BEA kennenlernen konnte und welche mir auch tatsächlich auf eine gewisse Weise Spaß gemacht haben.
Im Anschluss daran wartet man dann auf die Entscheidung.

Hattest du nach den Gesprächen ein gutes Gefühl? Hattest du das Gefühl, dass es mit dem Stipendium klappt?
Aus den Gesprächen bin ich sehr offen herausgegangen. Ich habe einfach versucht, meinen Gesprächspartnern nichts vorzuspielen, sondern einfach ich selbst zu sein. Dementsprechend war ich mit den Gesprächen zufrieden. Im Nachhinein fällt einem immer etwas ein, das man anders formulieren oder worauf man besser antworten hätte können. Dennoch, alles in allem war ich zufrieden und hatte das Gefühl, dass ich mich gut vorstellen konnte.

Das klingt nach einem aufwendigen Bewerbungsprozess. Hast du denn für zukünftige BewerberInnen einen Tipp? Du hast ja schon gesagt, dass du es für wichtig erachtest, einfach Du selbst zu sein. Das ist ja schon ein guter Tipp, den sich viele zu Herzen nehmen sollten. Aber vielleicht hast du darüber hinaus noch einen Tipp?
Mein Eindruck ist, dass die Personen, die gesucht werden, in gewisser Weise interdisziplinär und auf jeden Fall hochmotiviert, strebsam und auf der Suche nach persönlicher Weiterentwicklung sein sollten. Immer noch offene Fragen bezüglich seiner Zukunft zu haben ist normal, jedoch sollte man trotzdem mit großen Schritten voranschreiten. Deshalb sollte man im Bewerbungsprozess einfach man selbst sein. Es geht ja nicht unbedingt darum, das Stipendium zu bekommen, sondern vor allem darum, dass man zur Gruppe passt. Denn schlussendlich ist das eine der Sachen, aus denen man am Ende das Meiste herauszieht. Außerdem sollte man sich auf keinen Fall von dem Namen „EliteAkademie“ abschrecken lassen.

Das kann man sich sehr gut vorstellen, dass der Begriff EliteAkademie doch etwas abschreckend wirkt, mich eingeschlossen. 😀
Das war bei mir nichts anderes, aber schlussendlich ist es ja nur der Name. Wichtig ist, was dahintersteht.

Dann vielleicht noch auf die Zukunft gerichtet: Es kommen ja doch noch einige Programmpunkte auf dich zu. Auf was freust du dich denn am meisten?
Eine große Sache, die jetzt dann bald noch ansteht, ist das Mentoren-Matching. Wir bekommen einen Mentor bzw. eine Mentorin aus der Wirtschaft oder der akademischen Welt zur Seite gestellt. Hier wird in den nächsten Wochen das Matching zwischen Mentoren bzw. Mentorinnen und Stipendiaten bzw. Stipendiatinnen geschehen. Die Mentoren und Mentorinnen sollen uns eine gewissen Orientierung bieten, sowohl persönlich als auch professionell. Außerdem stehen sie uns für Diskussionen, Ratschläge und verschiedene weitere Dinge, welche man gemeinsam identifiziert, zur Seite. Darauf bin ich wirklich sehr gespannt. Einerseits natürlich, welchen Mentor bzw. welche Mentorin ich bekomme und andererseits, wie sich das Mentorenprogramm auf meine persönlichen zukünftigen Entscheidungen auswirken wird und wie derjenige oder diejenige mir helfen kann. Eine andere Sache, worauf ich in der nächsten Präsenzphase sehr gespannt bin, sind die Reflexionstage. Ein großer Teil der BEA ist natürlich auch die persönliche Weiterbildung, wozu auch das Feedback dazugehört, welches wir hier intensivieren werden.

Oh, das ist ja wirklich mal spannend ein persönliches Feedback zu bekommen. Auf der persönlichen Ebene hat man das ja doch eher selten.

Damit wären wir mit den Fragen, die wir stellen wollten, durch. Gibt es irgendwas, was du erzählen willst, was die zukünftigen BewerberInnen wissen sollten, aber im bisherigen Interview noch nicht abgedeckt ist?
Zukünftige BewerberInnen sollten nicht den Mehrwert unterschätzen, den man persönlich aus den Mitstipendiaten und Mitstipendiatinnen ziehen kann. Mit dieser Gruppe kann man wirklich einiges bewegen, denn alle sind super motiviert und unglaublich strebsam. Durch die BEA kann man sich selbst einfach ein super Netzwerk aufbauen, sowohl durch die Mitstipendiaten und Mitstipendiatinnen als auch durch die Dozenten bzw. Dozentinnen und weiteren Gäste.

Wurde euer Interesse geweckt?
Dann bewirbt euch selbst noch bis zum 12. Dezember 2021 für den 24. Jahrgang
der BEA!