>> primoza – Mit einem wachsenden Kalender durchs Jahr

Ein „wachsender“ Kalender – das war 2017 die Idee von drei Studierenden und Promovierenden der WiSo bzw. der FAU. Eine Idee, die so überzeugend war, dass sie noch im selben Jahr den ersten Platz beim Gründerwettbewerb „5-Euro-Business“ der FAU einholte. Damit war der Grundstein für das Start-Up primoza gelegt, welches mittlerweile alle mit seinen Produkten begeistert und sich als Unternehmen am Markt erfolgreich etabliert hat.
Ihr Leitgedanke, die Menschen wieder stärker mit der Natur zu verbinden und gleichzeitig das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund zu stellen spricht immer mehr Menschen an – das hat nicht zuletzt ihr Aufritt bei „Die Höhle der Löwen“ gezeigt. Mit ihren liebevoll gestalteten einpflanzbaren Kalendern & Postkarten macht primoza fast jeden zu einem begeisterten „Heimgärtner“.

Wir hatten die Gelegenheit Orlando Zaddach, einer der primoza-Mitgründer, einige Fragen zu stellen.

Kannst du das Gründerteam zunächst bitte einmal kurz vorstellen und von euren Anfängen berichten:

Als Gründerteam waren wir zu dritt: Tobi, Manu & ich. Wir haben primoza vor gut 3 Jahren im Rahmen des 5-Euro-Business Wettbewerbs der FAU gegründet. Damals hatten wir im Zuge des Seminars die Idee eines wachsenden Kalenders. Tobi und ich kannten uns bereits vor dem 5-Euro-Business Wettbewerb, Manu haben wir damals dort kennengelernt. Der Kalender hat uns also zusammengeführt.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt alle an der WiSo bzw. der FAU. Manu hat Elektrotechnik studiert, Tobi hatte seine VWL-Promotion fast abgeschlossen und ich war ebenfalls in den letzten Zügen meines VWL-Studiums und wir alle wussten: Wir wollen uns selbstständig machen! Studientechnisch hat das wenig mit dem zu tun, was wir jetzt machen – weder Gärtnern noch Gründen. Tobi und ich haben zwar beide VWL studiert, aber selbst zu gründen ist trotzdem nochmal eine andere Perspektive. Das was uns alle geeint hat war: Wir wollten etwas erschaffen, das wir nach unseren Vorstellungen prägen können. Dabei sollte es auch thematisch passen, sodass wir hinter dem Produkt stehen können. Eigentlich war es also alles Zufall, dass es so gekommen ist. Aber es hat dann super gestimmt, wir waren alle drei Feuer und Flamme und haben den Schritt gewagt!

Das Gründungsteam von primoza

Primoza ist aus dem gemeinsamen Pool unserer verschiedenen Vorstellungen, wie eine Firma aussehen könnte, entstanden. Nach der Gründung ging alles sehr flott. Anfangs wurde unsere Idee belächelt: Aus einem Kalender eine Firma entstehen zu lassen ist nicht unbedingt naheliegend. Kalender per se sind keine Innovation, schließlich gibt es unfassbar viele Kalender auf dem Markt. Aber uns war von vorneherein klar, wenn, dann machen wir es gleich so groß, dass man perspektivisch gesehen irgendwann davon leben kann. Es war sehr spekulativ, aber gleichzeitig waren wir durch den 5-Euro-Business Wettbewerb sehr zuversichtlich. Letztendlich hat es dann im ersten Jahr auch alles gut funktioniert!

Nachhaltigkeit ist für euch ein sehr wichtiges Thema, sei es beim Produktionsprozess, euren Kooperationspartnern bis hin zu den Produkten selbst. Dabei ist auch immer wieder die Rede davon, dass die Samen, die ihr verwendet, samenfest sind – aber was genau bedeutet das und warum ist es so wichtig?

Samenfest bedeutet, dass man das Saatgut, wenn man es einmal ausgebracht hat, im nächsten Jahr wieder verwenden kann. Wenn man z. B. eine Tomatenpflanze anpflanzt und eine Tomate entsteht, dann sind darin Samen und diese kann man wieder auspflanzen. Die Firmen, die Saatgut produzieren achten mittlerweile darauf, dass man die Samen nicht mehr wiederverwerten kann. Das Ganze hat aber auch eine größere gesellschaftliche Dimension. Es werden Abhängigkeiten seitens der Landwirte von den Saatgut-Herstellern geschaffen. Aber es entsteht auch Machtkonzentration der Hersteller, die dann darüber bestimmen können, welche Pflanzen ausgebracht werden können und welche nicht. Grade wenn man möchte, dass diverses Saatgut kultiviert wird, ist es ein Grundprinzip, dass die Pflanze selbst die Möglichkeit haben muss sich weiter zu vermehren. Für viele Hobbygärtnerinnen und -gärtner ist es auch eine sehr wichtige Komponente, weil sie sich nicht vom Kalender- oder Saatgutverkäufer abhängig machen wollen. Sie wollen im nächsten Jahr z. B. wieder ihre Paprika anpflanzen, ohne das Saatgut nochmal kaufen zu müssen.

Eigentlich ist das großartig, weil man so theoretisch aus einer kleinen Pflanze unfassbar viele Pflanzen wachsen lassen kann. Diese kann man dann z. B. teilen. Wenn das jeder macht, dann entsteht eine unglaubliche Diversität. Der Gedanke, dass aus einer so kleinen Sache etwas so Großes werden kann, ist einfach cool! Und dafür müssen Samen eben samenfest sein.

Kannst du uns eine Tatsache über den Wachsenden Kalender oder ein anderes Produkt verraten, die wir noch nicht kennen?

Manu gestaltet nach wie vor einen der Kalender komplett selbst. Das bedeutet auch, alle Illustrationen in dem Kalender sind von ihr! Mittlerweile ist unser Produktsortiment recht groß geworden, sodass wir auch mit vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern zusammenarbeiten. Dabei achten wir sehr darauf, mit einem Netzwerk von Freunden zusammen zu arbeiten. Natürlich gibt es mittlerweile auch Unterstützerinnen und Unterstützer, die nicht direkt zu unserem Freundeskreis zählen. Aber wir finden es einfach schön, wenn es Leute sind, die wir von irgendwo her schon kennen. So gibt es auch persönliche Verbindung zu primoza.

Das zeigt sich auch bei unseren besonderen Samen in Samentütchen, die wir seit einigen Wochen anbieten. Die Samentütchen wurden individuell von unserem gesamten Team gestaltet. Jeder hat eine eigene Illustration abgeben und diese ist dann in die Gestaltung des Tütchens mit eingeflossen – das fand auch das gesamte Team wirklich super! Nicht alle können besonders gut zeichnen oder malen, aber genau das war auch grade das Besondere daran. Wenn ihr also die Samentütchen bestellt oder schon zuhause habt, dann schaut doch mal hinten auf dem Tütchen, wer dieses mitgestaltet hat!

Wann wurde euch bewusst, dass ihr Erfolg haben werdet mit eurem Start-Up? Gab es da einen Schlüsselpunkt?

Eigentlich nicht. Unsere Produkte sind nach wie vor ein sehr stark saisonal getriebenes Geschäft: Wir bereiten uns fast ein ganzes Jahr auf zwei Monate vor. Bisher haben wir immer sehr gut geplant und waren tendenziell besser als wir gedacht haben. Das war immer sehr positiv und auf Basis dieser Erfahrung haben wir dann die nächsten Schritte geplant. Wir sind größer geworden und haben mehr Leute eingestellt – jetzt können wir uns langsam Firma nennen. Aber abgesehen von der “Höhle der Löwen” kam bei uns nichts, was völlig unvorhersehbar war. Es war immer sehr gut geplant bzw. kalkuliert, da immer die Erwartungen eingetroffen sind, die wir hatten.

Aber es gab doch bestimmt trotzdem Rückschläge und Herausforderungen in den vergangenen Jahren seit eurer Gründung?

Da gab es einige, vor allem im letzten Jahr. Wir vertreiben unsere Produkte normalerweise nicht nur online, sondern haben unseren Fokus auf Weihnachtsmärkte gesetzt. Das ist, was die Vertriebsstrategie betrifft, etwas sehr Besonderes. Es gibt keine Firma in der DACH-Region, die sich so sehr auf diese Art des Vertriebs spezialisiert hat. Der Vertrieb auf Weihnachtsmärkten hat einen starken Eventcharakter, weil man für einen sehr kurzen Zeitraum viel vorbereiten muss, ähnlich wie bei einem Festival. Da haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel Energie reingesteckt und als dann die Corona-Pandemie aufkam war das aus Business-Plan-Sicht ein riesiger Rückschlag. Wir konnten genau diesen Weg, den wir gehen mussten bzw. wollten, nicht gehen. Zudem ist unsere Produktion nicht sehr flexibel. Wie viel wir von etwas produzieren, entscheiden wir mittlerweile ein Jahr im Voraus. Das bedeutet, wenn es auf einmal keine Weihnachtsmärkte mehr gibt, haben wir nicht die Möglichkeit zu sagen, wir produzieren nicht, sondern die Kosten sind bereits da. Die Einnahmen müssen folglich kommen, damit wir nicht pleitegehen. Das war eine große Herausforderung.

Wie seid ihr mit dieser Herausforderung umgegangen?

Gemeistert haben wir die Herausforderung mit relativ beherztem und schnellen Eingreifen. Natürlich auch mit etwas Mut. Wir wussten, wenn das mit den Weihnachtsmärkten nicht realistisch ist, müssen wir uns auf was anderes einstellen – naheliegend war da natürlich der Online-Vertrieb. Aber dahinter steckt sehr viel Arbeit. Wir hatten einen Webshop, der noch in den Kinderschuhen steckte und mussten daher erstmal einen vernünftigen Webshop aufbauen. Neben dem Design des Onlineshops ist auch die Technologie, die dahinter steckt, wichtig. Nur die ermöglicht es, eine gewisse Anzahl an Anfragen auch abarbeiten zu können. Da haben wir im vergangen Jahr sehr früh angefangen zu investieren. Auch was das Team betrifft mussten sich erstmal alle darauf einstellen, im Zweifelsfalle nicht mehr das zu machen, was man vor der Corona-Pandemie gemacht hat. Schließlich hätte es keinen Sinn gemacht, dass unsere Eventmanagerin ein Festival organisiert, das wir nicht umsetzen können. Das war nicht leicht, zumal auch Kurzarbeit bei uns ein Thema war. Aber wir haben uns darauf eingestellt und es hat auch gut funktioniert.

Abgesehen vom Webshop mussten wir den Leuten aber auch erstmal vermitteln, dass es unsere Produkte gibt. Dafür mussten wir sehr stark ins Marketing gehen. Marketing hat heutzutage zwar auch eine kreative Komponente, ist aber natürlich auch eine Frage von Strategie und Budget. Wir haben einen Kredit aufgenommen, um richtig viel Marketing machen zu können und das hat sich ausgezahlt, sodass wir entsprechend viele Kunden bekommen haben. Sogar so viele, dass wir am Ende, zwei Wochen vor Weihnachten, komplett ausverkauft waren. Aber man konnte eben im Oktober noch nicht sagen, wie viel wir am Ende verkaufen, da sich alles innerhalb weniger Wochen entscheidet. Im Endeffekt hätten wir uns gewünscht nochmal mehr Produkte zum verkaufen zu haben, aber das weiß man vorher eben nicht.

Daher war es wirkliche eine große Herausforderung, die wir im Endeffekt mit viel Verstand und Glück gut gemeistert haben. Es hätte aber auch anders laufen können.

Nun noch zu eurem Auftritt bei die “Höhle der Löwen”: Es gab zwar keinen Deal bei die Höhle der Löwen, euer Auftritt wurde aber von vielen Seiten sehr gelobt. War es trotzdem eine positive Erfahrung?

Es hat ehrlichgesagt ziemlich viel Spaß gemacht. Das hat auch damit zu tun, dass wir alle drei gerne präsentieren, gerne von unserem Produkt und unserer Firma erzählen und auch die Herausforderung suchen. Die “Höhle der Löwen” ist natürlich eine riesige Herausforderung, weil man sowas nur einmal macht und es dann sitzen muss. Wenn man es in den Sand setzt, dann lacht ganz Deutschland über dich. Es muss also einfach auf den ersten Schlag hinhauen. Wir haben uns gut vorbereitet und hatten Glück, dass man uns nicht all zu hart angegangen ist. Wir haben uns vorher andere Auftritte bei die “Höhle der Löwen” angeschaut und wussten, man kann auch sehr kritisches Feedback bekommen. Aber ich glaube es sind auch immer einige dabei, die ihre Geschäftsidee vielleicht nicht zu 100% durchdacht haben und dann wird man auch mal stärker kritisch hinterfragt. Wir hatten uns zumindest auf die naheliegenden kritischen Fragen vorbereitet und Antworten auf diese Fragen gefunden, damit war dann am Ende alles halb so wild. Letztendlich wäre die größte Frustration gewesen, wenn es nicht ausgestrahlt worden wäre, weil es z. B. zu reibungslos lief. Daher kann ich es auch nur jedem empfehlen!

Natürlich bringt die “Höhle der Löwen” zudem punktuell sehr viel Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist superwichtig. Es gibt natürlich auch Nachteile. Denn desto mehr Aufmerksamkeit, desto mehr potentielle Nachahmer gibt es – das merken wir auch jetzt schon. Aber man kann nie erfolgreich sein, wenn man sich nicht präsentiert. Der Weg muss immer sein, sich so schnell wie möglich so bekannt wie möglich zu machen, dann nachzulegen und sich nicht auf dem Erfolg auszuruhen. Das ist sehr anstrengend, aber ich glaube nur so kann man langfristig erfolgreich sein.

Du hast grade schon erwähnt, dass es Nachahmer eures Produktes gibt. (Heim-)gärtnern hat während der Corona-Pandemie stark zugenommen – wie würdet ihr damit umgehen, wenn in Zukunft noch mehr Unternehmen solche Produkte wie den Wachsenden Kalender anbieten?

Es ist sehr wichtig, diesen ständigen „Kampf“ anzunehmen. Man denkt oft, dass man etwas erschaffen hat und einem dies auch bleibt. Aber so ist es eben nicht. Jedes Produkt wurde irgendwann einmal entwickelt und dieses Produkt wird dann oftmals von jemand anders adaptiert und besser vermarket. Die Kunden haben aber oft nur die Firma im Kopf, die es z. B. am besten vermarktet hat. Das ist eben die Herausforderung, nicht nur coole Ideen zu haben, sondern den Leuten auch klarzumachen von wem Idee kommt und warum es sich lohnt, genau dieses Produkt zu kaufen.

Mittlerweile ist euer Start-Up zu einem Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herangewachsen. Das bedeutet ihr habt jetzt Personalverantwortung und leitet ein großes Team – wie geht ihr damit um?

Mitarbeitende kennen uns ja nur als Chef oder Chefin. Ich selbst z. B. bin jetzt 33 Jahre alt und war 31 Jahre lang nie Chef. Ich kann zwar jetzt nur für mich sprechen, aber ich fühle mich in der Rolle des Chef meistens sehr wohl. Das liegt auch daran, dass ich auch selbst schon einige Vorgesetzte hatte und das Gefühl hatte einige Dinge anders machen zu wollen. Grundsätzlich ist bei uns mittlerweile auch nicht mehr das Gründerteam die Geschäftsführung, sondern anstelle von Tobi ist nun Daniel Teil der Geschäftsführung. Ich glaube am Ende kann man es nicht jedem recht machen und jede Person wünscht sich vielleicht auch eine andere Art von Chef oder Chefin. Uns wird manchmal nachgesagt, wir würden zu viele Entscheidungen auch an das Team abgeben – was vielleicht auch für sich spricht.

Aber klar, manche Entscheidungen treffen wir und wir müssen auch letztendlich entscheiden, wo es mit der Firma hingeht. Es gibt aber eben auch ganz viele Fragen und Bereiche, bei denen das Team mitentscheiden soll, weil es auch das Team betrifft. Wir wollen einen Arbeitsplatz schaffen, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllt. Bei uns sollte jeder Spaß an seiner Arbeit haben und seinen Arbeitsplatz selbst mitgestalten können. Und da wir in diese Richtung sehr viele Initiativen starten, verzeiht unser Team auch Fehler, die wir machen.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch und primoza weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

Ihr seid neugierig geworden und wollt mehr Informationen zu dem, was Orlando, Manu und Tobi mit primoza und ihrem Wachsenden Kalender auf die Beine gestellt haben? Dann schaut auf ihrer Webseite vorbei oder folgt ihnen auf Instagram.

Die FAU bietet viele, sehr erfolgreiche und spannende Programme zur Förderung von Start-ups an. Interessierte, die gerne noch Erfahrungen in diesem Bereich sammeln möchten oder den Entwicklungsprozess eines Start-ups mal miterleben möchten können unter Anderem wählen zwischen Programmen der Digital Tech Academy, der FAU Sandbox und neuerdings auch dem Existency Programm, das aus Zusammenarbeit der TH Nürnberg, der HS Ansbach und der FAU entstanden ist.

Wenn euch das Thema „Start-ups“ interessiert, dann schaut auch in den kommenden Wochen weiterhin mal auf dem WiSo-Blog vorbei. Hier bekommt ihr nächster Zeit Einblicke in den Gründungs- und Entwicklungsprozess von Start-ups auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Drei spannende Beiträge zu den Start-ups Finalaize, arfinity und Libati findet ihr bereits auf dem WiSo-Blog.