>> Was bringt uns die Akademisierung? – Lange Nacht der Wissenschaften am Fachbereich

Bei der Langen Nacht der Wissenschaften am 24. Oktober 2015 öffnet auch der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften seine Türen in der Findelgasse und bietet spannende Experimente, Diskussionen und Vorträge. Um den Besucherinnen und Besuchern einen kleinen Vorgeschmack zu geben, verrät der Fachbereichs-Blog im Vorfeld bereits einige Programmpunkte. Dieses Mal der Beitrag des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): Was bringt uns die Akademisierung?

Woher kommen die vielen Studierenden?

Deutschland entwickelt sich zu einer Republik von Akademikern: Nicht nur, dass am Kabinettstisch der jetzigen Bundesregierung erstmals nur Akademiker sitzen. Die Zahl der Studienanfänger hat sich in den letzten 15 Jahren nahezu verdoppelt – Tendenz steigend – und übertrifft inzwischen die der neuen Auszubildenden. Woher kommen die vielen Studierenden? Was ist ihre Motivation? Und welche Chancen und Risiken sind mit der Akademisierung verbunden? Über diese und andere Fragen diskutieren Experten bei einer Podiumsdiskussion, zu der das IAB bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am Samstag, 24. Oktober 2015, in Nürnberg einlädt.

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An der Langen Nacht der Wissenschaften werden Prof. Dr. Werner Widuckel (Mitte) und Prof. Dr. Lutz Bellmann (rechts) mit weiteren Experten über die Akademisierung diskutieren. Foto: Monika Limmer

Der demografische Wandel verbessert die Beschäftigungschancen des akademischen und des beruflich qualifizierten Nachwuchses. Die Wahlmöglichkeiten werden größer und die Durchlässigkeit des Bildungssystems steigt. In der Folge nimmt die Zahl von Studienanfängern und -absolventen derzeit stark zu. „Kontrovers wird in der Wissenschaft und in der Praxis die Frage beantwortet, ob es zu einer Über-Akademisierung kommt, weil der Bedarf der Wirtschaft und der Verwaltung an beruflich Qualifizierten nicht gedeckt werden kann, wenn sich die Berufswahl der Abiturienten weiterhin stark auf akademische Fächer ausrichtet“, sagt Lutz Bellmann, Leiter des Forschungsbereichs „Betriebe und Beschäftigung“ am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Arbeitsökonomie, an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Bellmann wird bei der „Langen Nacht“ mit Britta Matthes, Leiterin der Forschungsgruppe „Berufliche Arbeitsmärkte“ am IAB, Professor Martin Abraham, Arbeitsmarktsoziologe und Leiter des Career Services am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Werner Widuckel, Professor für Personalmanagement und früher Personalvorstand bei der Audi AG, und Karl Wilbers, Professor für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung sowie Studiendekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften (alle FAU), der Frage nachgehen, was uns die Akademisierung bringt.

Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt

„Auf der einen Seite wird der Bedarf an akademischen Qualifikationen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Globalisierung zunehmen“, so Bellmann. Die Sogwirkung, die davon ausgeht, wird durch die niedrige Arbeitslosigkeit und die besseren Einkommenschancen von Akademikern noch verstärkt. Denn Hochschulabsolventen stehen sowohl bei der Beschäftigung als auch beim Verdienst auf der Gewinnerseite. Das zeigen aktuelle Studien des IAB: Danach verdient ein durchschnittlicher Universitätsabsolvent im Laufe seines Lebens mehr als 2,3 Millionen Euro – rund eine Million Euro mehr als jemand, der eine Berufsausbildung hat. Akademiker sind außerdem nach wie vor selten von Arbeitslosigkeit betroffen: Ihre Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt 2013 bei 2,5 Prozent.

„Auf der anderen Seite nimmt die Attraktivität der beruflichen Ausbildung kontinuierlich ab, so dass die Betriebe immer mehr Schwierigkeiten haben, ihre Ausbildungsplätze auch zu besetzen“, erklärt Lutz Bellmann. Erleben wir derzeit also eine Erosion des Systems der dualen Berufsausbildung, um das uns so viele andere Länder beneiden?

Doch auch, wenn es noch nie so viele Menschen zum Studium gedrängt hat wie heute – es gibt eine Kehrseite der Medaille: Jeder dritte Studierende bricht sein Studium ab. Führt ihr Weg dann doch wieder zu einer dualen Ausbildung? Personen, die über eine berufliche Qualifikation verfügen, gehören jedenfalls auch zu den Gewinnern: Ihre Arbeitslosenquote ist ebenfalls vergleichsweise niedrig. Techniker und Meister waren 2013 im Schnitt sogar weniger häufig erwerbslos als Akademiker. Für reichlich Gesprächsstoff ist bei der Diskussion auf dem Podium und mit dem Publikum also gesorgt.


Podiumsdiskussion „Was bringt uns die Akademisierung?“: 20 bis 21.30 Uhr, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Nürnberg, Ludwig-Erhard-Gebäude, Findelgasse 7/9, Raum 0.015.

Weitere Informationen zum Thema:

> Programm des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Langen Nacht der Wissenschaften (ab Seite 174)
> Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Arbeitsökonomie
> Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung