Vom Waschraum zum Studierendencafé: Der „Trichter“ hat eine bewegte Geschichte hinter sich

Einige Treppenstufen führen in den Keller des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo) der FAU in der Findelgasse. Bereits auf dem Weg kündigen Schilder das Studierendencafé Trichter an. Auf der gewölbten Decke – der Raum hat ein Tonnengewölbe mit einschneidenden Runderkern – erstreckt sich eine Bemalung über die ganze Fläche. Verschiedene Szenen aus der Nürnberger Stadtgeschichte sind zu sehen. Die rustikalen Holzgarnituren und der urige Kachelofen sind im Original erhalten.

Seit 1986 wird das Café ehrenamtlich von Studierenden geführt, die kochen, sich um den Verein, die Finanzen und die Logistik und natürlich um die Gäste kümmern. Ruhig gelegen, bietet das Café einen idealen Rückzugsort zum Kaffeetrinken, Plaudern oder Lernen. So manche Bachelorarbeit wurde schon in dieser entspannten Atmosphäre geschrieben, während die Bibliotheken aus allen Nähten platzten. Aber auch Gruppenbesprechungen für Präsentationen oder Einführungsveranstaltungen wurden hier bereits abgehalten. Neben Studierenden schauen auch gerne Professoren oder ganze Lehrstühle vorbei, um hier einen Kaffee zu trinken, einen Snack zu kaufen oder ihre Mittagspause zu verbringen.

Der Trichter ist der ideale Rückzugsort zum Plaudern oder Kaffeetrinken. ©Giulia Iannicelli

Trichter-Sommerfest am 17. August 2022

Zusätzlich zum regulären Café-Betrieb finden auch weitere Veranstaltungen statt: Jedes Jahr zum Ende des Sommersemesters veranstaltet der Trichter im Innenhof der Findelgasse ein großes Sommerfest. Am 17. August 2022 ist es nach zweijähriger Corona-Pause wieder soweit: Von 17 bis 22 Uhr wird der Innenhof der Findelgasse wieder mit Leben gefüllt. Die perfekte Gelegenheit, um auf geschaffte Klausuren anzustoßen oder sich mit einer Verschnaufpause in der Prüfungsphase zu belohnen. Der Eintritt ist frei und es werden erstmalig großartige DJs, für die richtige Stimmung sorgen. Außerdem können sich die Gäste auf leckeres Essen und kühle Getränke freuen.

Ein geschichtsträchtiger Ort

Doch der Trichter war nicht immer ein Café. Anfang des 20. Jahrhunderts, als viele Häuser noch keine Bäder hatten, wurde der Raum als Schülerbad genutzt. Später wurde der Trichter von der nationalsozialistischen Hochschulleitung zur Kantine umfunktioniert. Aus dieser Zeit stammen auch die Wandmalereien, die in Teilen das damalige, antisemitische Gedankengut widerspiegeln. Doch der Künstler Hans Krieg, der sich 1933 weigerte, in die NSDAP einzutreten und deshalb seine Anstellung im Hochbauamt verlor, bediente das damals gängige Bild eher zurückhaltend im Vergleich zu anderen Werken, die in der NS-Zeit entstanden waren.

Fair gehandelt, regional und bio

Danach stand der Trichter lange Jahre leer, bis sich die Studierenden seiner annahmen. Und jeder Gast merkt, wie viel Herzblut seitdem im Trichter steckt. Auf ihre Schürzen haben die Studierenden das Logo gestickt und auch jede Tasse ziert ein kleiner Trichter. Für sie bedeutet es, eine studentische Tradition fortführen zu können und dabei den Gestaltungsfreiraum zu haben, der ihnen wichtig ist. Da viele im Team vegetarisch oder vegan leben, ist es ihnen wichtig, auch fleischlose Küche anzubieten. Diese ist dann noch dazu fair gehandelt, regional und meist bio.

Aber warum eigentlich „Trichter“? Die Studierenden selbst haben lange wegen des Namens gerätselt. Bis sie das Bild in der Ecke neben der Tür gefunden haben: Einem Jungen wird etwas „eingetrichtert“ – vielleicht eine scherzhafte Anspielung auf den „Nürnberger Trichter“, eine Metapher für leichtes und mechanisches Lernen.

Weitere Informationen zum Trichter gibt es unter:

www.facebook.com/dertrichter