>> Parametrische Figuren: wie druckt sich wohl ein Forschungsartikel in 3D

Wie druckt man wohl einen dreidimensionalen Forschungsartikel, oder wie ein Märchen in 3D? Diese Frage, die sich vermutlich bisher recht wenige Menschen gestellt haben, trifft recht gut den Kern des Projekts, das sich seit seiner Konzeption zu einem echten Grenzgang zwischen Informatik und Design entwickelt hat.

Seit dem 18. März findet man immer wieder interessiert, aber leicht verwirrt schauende Menschen vor der Infothek in der Langen Gasse stehen. Sie begutachten den fleißig vor sich hinarbeitenden 3D-Drucker und seine extravaganten Druckergebnisse, die im Fenster der Infothek ausgestellt sind. Die Figuren sind immer von unterschiedlicher Form, mal eher gezackt wie Diagramme, mal fast ausladend wie Bäume.

Bei diesem 3D-Druck-Projekt handelt es sich natürlich nicht um die Laune unterforderter Professorinnen oder Professoren, sondern um einen Teil des Jubiläums der WiSo. Im Rahmen der Jubiläumsausstellung „Aller Anfang ist schön“ zum 100. Geburtstag des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften lassen sich bis zum 25. Oktober 2019 an beiden Standorten der WiSo zahlreiche künstlerische Beiträge entdecken und erleben.

Bei diesem Projekt handelt sich um ein Kooperationsprojekt der WiSo mit der Fakultät Design der TH Nürnberg. Der WiSo-Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbes. Innovation und Wertschöpfung (Wi1) von Prof. Dr. Kathrin M. Möslein befasst sich unter anderem mit der Entwicklung und Gestaltung neuer Produkte und Dienstleistungen im Kontext digitaler Technologien. Vertreten wird der Lehrstuhl bei der Ausstellung durch die beiden Innovationsforscher Dr. Dr. Albrecht Fritzsche und Max Jalowski, Informatiker und Leiter der Projektgruppe 3D-Druck am Lehrstuhl. Prof. Yves Ebnöther, Fakultät Design der TH Nürnberg, wirkte beratend bei der Konzeption und Realisierung mit.

Aus wissenschaftlichen Publikationen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften veröffentlicht wurden, entstehen durch Textauswertung und Umformatierung in Druckaufträge kleine Kunstwerke, die von einem 3D-Drucker gedruckt werden. An dieser Kombination aus Informatik und Kunst wurde die letzten Monate viel getüftelt, und auch weiterhin wird an der Umsetzung rege gearbeitet, um die Ergebnisse zu optimieren.

Den angenehm gleichmäßig arbeitenden Drucker kann man zudem online dank einer Webcam live unter www.alleranfangistschoen.de/3d-projekt verfolgen.

Die Publikationen in digitaler Form, beispielweise als PDF-Dokument, werden in ein simples Textdokument formatiert, um es leichter bearbeiten und analysieren zu können. Dann wird mit Hilfe von Algorithmen beispielweise nach bestimmten Verhältnissen zwischen Wörtern, Vokalen und/oder Konstanten gesucht. Es gibt drei verschiedene Varianten, die beim Druck entstehen können. Entweder wird eine bereits bestehende Pyramide optisch dank der umgeschriebenen Informationen für den Druckauftrag so manipuliert, dass eine neue Form entsteht. Andererseits kann man sich auch ein Objekt aus vielen kleinen Pyramiden erstellen lassen. Oder, die irgendwie verrückteste Variante, man lässt sich die Publikation als kunstvollen kleinen Baum mit vielen wirren Ästen erstellen.

Um das Ganze noch ein bisschen aufregender zu gestalten, fließt zusätzlich zu der eigentlichen Publikation ein weiterer „Zufallsfaktor“ mit ein: wahlweise ein beliebiges Mensagericht oder der Tabellenstand des 1. FCN oder das Nürnberger Wetter zum Zeitpunkt der Publikation. Dieser zusätzliche Faktor gestaltet das Objekt maßgeblich mit.

Bisher waren die kleinen Figürchen um die 2-6 cm groß, demnächst sollen die Figuren noch ein wenig größer gedruckt werden, um die Druckzeit pro Objekt auf ca. 6 Stunden zu erhöhen. 

Das Interessante an diesem Projekt ist, dass es fortlaufend weiterentwickelt wird, da das Ziel der automatisierte Druck ist. Anhand von eigenen Erfahrungswerten optimieren die Beteiligten den Druck Tag für Tag. So gestaltet sich das Projekt wirklich spannend, da die Produkte täglich anders ausfallen und man die Ergebnisse nach seinen Wünschen gestalten kann.

Der Grundgedanke des 3D-Druck-Projekts war historische Texte und Publikationen der WiSo zu drucken. Allerdings kann gerne jeder, der eine Publikation für den Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften geschrieben hat, auf den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik 1 zukommen und sich seine Arbeit als Unikat drucken lassen, um sie sich zu Hause dekorativ ins Wohnzimmer zu stellen. Ansprechpartner dafür ist Max Jalowski.

Aktuell ist eine Art Galerie, aus der man Objekte, die einem gefallen, mitnehmen kann, im Gespräch.

Zusätzliche Informationen und Details zur Ausstellung, dem 3D-Druck sowie weitere Veranstaltungen im Laufe des Jubiläumsjahres 2019 finden sich online.

www.alleranfangistschoen.de

www.wiso100.fau.de