Ich war Diplomat in New York

Auf der Fähre von Manhattan nach Staten Island. Was für eine faszinierende Stadt!

Ansgar war einer von über 5.000 Studierenden aus aller Welt, der die Möglichkeit hatte, Verhandlungen der Vereinten Nationen zu simulieren.

Im April dieses Jahres hatte er die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) als Delegierter bei dem weltweit größten Planspiel der Vereinten Nationen „National Model United Nations“ in New York City vertreten. Wieder zurück in Deutschland bloggt der Sozialökonomik-Studierende seine Erlebnisse.

Der Plenarsaal der Vereinten Nationen.

Mehrere Tausend Studenten aus der ganzen Welt, ein riesiges Konferenzhotel direkt am Times Square – und wir mittendrin. Bereits am Dienstag, bei der Eröffnungszeremonie von „National Model United Nations“ (NMUN) wird deutlich: die nächsten Tage werden unübersichtlich, spannend und anstrengend.

Wir, die 24 Delegierten der FAU, vertraten den Sudan – jeweils in Zweierteams in unterschiedlichen Ausschüssen. Meine Komitee-Partnerin Claudia und ich gehörten dem Ausschuss „Conference on Sustainable Development“ an, der sich mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigt – Themen, die an Aktualität und Bedeutung kaum zu übertreffen sind.

Das Hauptquartier der Vereinten Nationen.

Was ist zu Beginn der Ausschusssitzung wichtig? Schnell auf die Rednerliste zu gelangen. Dies schafften wir auch, und so stand ich bereits wenige Minuten nach Eröffnung vor den fast 400 Studierenden. Gleich als einer der Ersten eine Rede halten – ich war ganz schön aufgeregt! Aber es sind genau diese spannenden Momente, die einem die nötige Energie und Motivation liefern. In den ersten Reden geht es formal darum, seine Präferenzen zur Reihenfolge der Tagesordnung zu benennen – mindestens genauso wichtig ist es, sich als kompetenter und sympathischer Partner für spätere Verhandlungen zu präsentieren.

Zwischen den formalen Teilen der Sitzungen – Reden halten und über Anträge zur Geschäftsordnung abstimmen – gibt es immer wieder sogenannte „informal sessions“. Zeitspannen, die für die eigentlichen Verhandlungen und das Anfertigen der Resolutionsentwürfe gedacht sind. Hier steht anfangs Eines im Mittelpunkt: Smalltalk. „Hey, how are you? What‘s your name? Where are you from?“ Dies sind die wohl meistgehörten Sätze auf der gesamten Konferenz. Aber wir sind ja nicht nach New York geflogen, um uns nur nett zu unterhalten! Die inhaltliche Arbeit ist „das Eigentliche“.  Nach den ersten Stunden versuchten wir also, uns in kleinen Gruppen zusammen zu schließen, Meinungen auszutauschen und Resolutionsentwürfe zu verfassen. Um die Positionen und Meinungen des Sudans möglichst breit und stark zu repräsentieren, hatten Claudia und ich uns aufgeteilt, also in verschiedenen Gruppen gearbeitet.

Bei dieser Gruppenarbeit musste ich auf „schmerzhafte“ Art und Weise erfahren, wie wichtig es ist, mit seinen Partnern persönlich auf einer Wellenlänge zu sein: ich arbeitete zuerst in einer Gruppe von sechs Studenten, die – drücken wir es mal positiv aus – hoch motiviert waren. Fünf Tage lang, Stunden um Stunden, mit Delegierten zu verbringen, die alle versuchen, andauernd im Mittelpunkt zu stehen, andauernd ihre Meinung durchzusetzen, und andauernd zu beweisen, was für tolle „leader skills“ sie doch haben, ist nicht nur anstrengend, sondern nahezu unmöglich. Also: neuer Anlauf, neues Glück. Und tatsächlich geht die Arbeit von nun an – mit sympathischen Kollegen – viel schneller, produktiver und angenehmer voran! Genau solche Erfahrungen und Erlebnisse sind es, aus denen man fürs Leben lernt – egal ob einen der Weg mal in die Diplomatie oder sonst wohin führt.

Es ist schwer, die fünf intensiven Simulationstage knapp zu beschreiben, aber ich versuche es einmal: Verhandlungen bis spät in die Nacht, viel zu wenig Schlaf, unglaublich viele interessante Menschen, tolle Partner, Machtspielchen, Opportunismus und Fast-Food… Am Ende konnten wir in unserem Ausschuss sieben Resolutionen verabschieden, an drei davon waren Claudia und ich aktiv beteiligt.

Am Samstag konnten wir für die Abschlusszeremonie dann endlich noch in den Plenarsaal der Generalversammlung der Vereinten Nationen gehen: Abstimmungsknöpfe drücken, Fotos machen und diplomatische Luft schnuppern.

Ach ja, am Abend vor der Abschlussveranstaltung gab es noch den Delegates Dance, eine Tanzveranstaltung, die vielleicht das ein oder andere Prom-Night- oder College-Party-Klischee unterstreicht. Aber das gehört ja auch dazu! Erfolge feiern wie sie kommen – das amerikanische Bier kann man auch als Franke wunderbar genießen. Apropos Erfolg: unsere Delegation wurde mit dem „Distinguished Delegation Award“ ausgezeichnet, eine große Ehre für uns alle!

In den Tagen vor der Konferenz besuchten wir noch zwei Institutionen der UN sowie die ständige Vertretung des Sudans. Dort lernten wir, wie viel Wahrheit in dem Zitat „Ein Diplomat ist ein Gentleman, der zweimal überlegt, bevor er nichts sagt.“ steckt.

Was fehlt dann noch, um die New York-Reise ideal ausklingen zu lassen? Ausruhen im Cental Park, mit der U-Bahn an den Strand fahren, ins MoMA gehen, Brooklyn‘s Cafés und Bars genießen… Und als Student an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät darf die Wall Street natürlich auch nicht fehlen.

Alles in allem, die Reise in die Weltmetropole war die Krönung eines gelungenen FAUMUN-Projekts der Uni, dessen Ziel es ist, Studenten die internationale Diplomatie und Politik hautnah miterleben und spielerisch mitgestalten zu lassen.

Für mich heißt es: New York, bis bald!

Ansgar


Links zum Thema FAUMUN:

Ansgars Blogeintrag vor der New York-Reise

http://www.blog.wiso.uni-erlangen.de/faumun

FAUMUN, ein Projekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

http://www.faumun.org/

FAUMUN bei Facebook

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FAUMUN “Miterleben” via YouTube-Channel

http://www.youtube.com/user/FAUMUNorg

Weitere Bilder zu FAUMUN New York 2012:

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