Internationale Politik hautnah erleben – Zwei Studentinnen berichten über ihre Auslandserfahrungen bei der EU-Kommission und der OECD

Michaela Haderer und Lisa Feist sind in ihrem letzten Semester im Master of Science in Economics an der FAU Erlangen-Nürnberg. Die Semesterferien haben sie sinnvoll genutzt, um neben dem Studium wichtige Praxiserfahrungen zu sammeln. Michaela war für 8 Wochen als Praktikantin bei der OECD (Organization for Economic Cooperation and Development) in Paris tätig. Ziel dieser Organisation ist es, das Leben der Menschen weltweit in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zu verbessern. Lisa schnupperte für 2 Monate bei der EU-Kommission in Brüssel hinein. Beide wurden extern von der STAEDTLER-Stiftung finanziert. Per Skype haben wir uns mit Michaela und Lisa in Verbindung gesetzt, um ihnen ein paar Fragen zu ihrem Praktikum zu stellen.

Lisa vor ihrem Arbeitsplatz

Wie wurdet ihr auf das Praktikum aufmerksam?

Beide besuchten im Frühjahr dieses Jahres das Seminar „European topics in economics“, das von Prof. Dr. Merkl veranstaltet wurde. Dabei war eine Exkursion nach Brüssel, auch zur EU-Kommission, Teil des Lehrplans. Dadurch kam der Kontakt für das Praktikum bei der EU-Kommission für Lisa zustande. Ihre Präsentation, die sie im Rahmen des Seminars gehalten hatte, galt im Nachhinein als Bewerbung. Eine kurze E-Mail an den Verantwortlichen, mit der Frage, ob sie dort ein Praktikum machen könnte und schon hatte sie die Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeit der EU-Kommission zu erhalten. Auf das Praktikum bei der OECD wurde Michaela durch Prof. Dr. Merkl aufmerksam. Er stellte den Kontakt zu der Organisation auf einer Konferenz her. Die 24-Jährige empfand die Stellenausschreibung als spannend und verfasste ein Motivationsschreiben. Nach einem Skype-Interview hatte sie den Praktikumsplatz in der Tasche.

Was sind eure Aufgaben bei der OECD / EU-Kommission?

Michaela war bei der OECD im Wirtschaftsressort (economic department), genauer gesagt am „German Desk“, tätig. Das Hauptprojekt, an dem sie arbeitete, war der „financial stability report“ für Deutschland. Dieser Bericht wird alle 2 Jahre veröffentlicht und thematisiert spezielle Themen, wie die Finanzmarktstabilität und die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland. Aber auch Politikberatung und Empfehlungen sind Teil des Reports, der auf Basis von Datenanalyse entsteht. Neben dem großen Projekt unterstützte sie den Desk und erledigte kleinere Aufgaben, wie das Erstellen von Wachstumsprognosen für 2020/21, die Analyse von Wirtschaftstreibern oder Bremser. Auch Lisa arbeitete an einem Länderbericht bei der EU-Kommission mit. Sie war am “deutsch-österreichischen Desk” tätig und leistete dort ihren Beitrag zum Bericht, speziell in dem Themengebiet Arbeitsmarkt. Bei der Arbeit konnten beide das gelernte Handwerk von der Universität sehr gut anwenden und vertiefen.

Michaela vor ihrem Arbeitsplatz – der OECD

Wie war es für euch, sich in einer fremden Stadt einzuleben?

Bei der OECD herrscht eine sehr hohe Fluktuation, die Leute kommen und gehen. „Jeder ist in der gleichen Situation wie man selbst. Das gibt Rückhalt.“, sagte Michaela. Deshalb war es für sie sehr leicht, sich in Paris zurechtzufinden. Auch Lisa fiel der Anfang nicht schwer. Sie wurde herzlich von ihren Kolleginnen und Kollegen bei der EU-Kommission empfangen. Eine Kollegin lieh ihr sogar ein Fahrrad für die 2 Monate, die sie in Brüssel lebte. Auch neben dem Praktikum wird ihnen nicht langweilig. Paris und Brüssel bieten viele schöne Ecken, süße Cafés, kleine Restaurants und jede Menge Sehenswürdigkeiten.

Beide bedanken sich herzlich bei der STAEDTLER-Stiftung. Ohne Unterstützung ist ein solches Praktikum nur sehr schwer zu finanzieren. Auch für all die Bemühungen und guten Kontakte von Prof. Dr. Merkl möchten sie danken. Auf die Frage, ob sie das Praktikum weiterempfehlen würden, war die Antwort von beiden sofort: „Ja, auf jeden Fall!“. Eine Institution kennenzulernen, mit Menschen aus anderen Ländern zusammenzuarbeiten, renommierte Forscher zu treffen, an Konferenzen teilzunehmen, etc., all das sind Erfahrungen, die man im Studium an der Universität nicht mitbekommt.

Wir bedanken uns für das nette Gespräch und wünschen beiden alles Gute für die Zukunft.

Bildrechte: Privat (Lisa Feist, Michaela Haderer)