Campus-Köpfe: Veronika Grimm

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) will sich verstärkt als Ort etablieren, an dem neue Ideen frühzeitig erkannt und in Spitzenforschung umgesetzt werden. Deshalb hat die FAU die „Emerging Fields Initiative“ (EFI) ins Leben gerufen und fördert damit vielversprechende Forschungsprojekte, die von international führenden Expertinnen und Experten der Universität Erlangen-Nürnberg getragen werden. Im Zentrum der EFI stehen innovative, interdisziplinär angelegte Forschungsprojekte, die hohes Potenzial haben, sich aber noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden. Gerade solche fächerübergreifende Vorhaben in der Entstehungsphase neuer Themenfelder – der so genannten „Emerging Fields“ – werden die Wissenschaft in besonderem Maße voranbringen.

Frau Prof. Dr. Veronika Grimm, Sie und Ihr Team haben den Zuschlag für eine Förderung erhalten. Ihr interdisziplinäres Projekt „Taxation, Social Norms, and Compliance: Lessons for Institution Design“ wurde von der Universitätsleitung als strategisches Zukunftsprojekt ausgewählt. Was bedeutet die Förderung für Sie und Ihr Team?

Prof. Grimm: In der Gruppe wurden Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen zusammengeführt, darunter Wirtschaftswissenschaftler verschiedener Ausrichtungen, Soziologen, Juristen, Psychologen und Neurologen. Das Ziel der Initiative ist die Erforschung von individuellen und sozialen Determinanten der Steuerehrlichkeit. Insbesondere soll die Rolle von Institutionen sowie sozialen und kulturellen Normen für die Steuerehrlichkeit untersucht werden.

Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Veronika Grimm

Will man die Themen „Tax Compliance“ und „Institutionendesign“ ernsthaft erforschen, so ist ein hoher Grad an Interdisziplinarität nötig: Detailliertes Wissen über Institutionen und Steuerrecht muss zusammengeführt werden mit Erkenntnissen über Anreize, die von diesen Institutionen ausgehen und der tatsächlichen Reaktion von Menschen auf diese Anreize. Hier spielen auch sehr grundlegende Verhaltensmuster eine zentrale Rolle, zum Beispiel die Kooperationsbereitschaft von Individuen, ihr Interesse am Gemeinwohl und die Frage, wie solche Einstellungen von der Ausgestaltung von Institutionen geprägt werden. Wenn zum Beispiel von Behörden viel Geld verschwendet wird oder Korruption ein Problem darstellt, wird das die Bereitschaft Steuern zu zahlen vermutlich abnehmen. Es gibt also im Rahmen des Emerging Field Projekts sowohl „Grundlagenforschung“ als auch extrem angewandte Projekte. Unternehmen der Region interessieren sich aktuell sehr für unsere Initiative, darunter die GfK und die DATEV mit denen zurzeit Kooperationsprojekte starten.

Die Förderung gibt uns die Chance, unsere Aktivitäten auszubauen und gezielt die interdisziplinäre Vernetzung voranzutreiben. Konkret bedeutet das die Förderung von Forschungsprojekten und die Möglichkeit, verstärkt mit herausragenden externen Wissenschaftlern zu interagieren. Mitte März haben wir eine erste Konferenz veranstaltet, auf der international herausragende Forscher aller beteiligter Disziplinen aktuelle Arbeiten zum Thema „Tax Compliance“ vorstellten.

Im Rahmen der „Emerging Fields Initiative“ wurde ein Forschungsprojekt, dem Sie als Koordinatorin voranstehen, ausgewählt, das zusammen mit der Medizinischen Fakultät erforscht wird. Um was geht es inhaltlich bei diesem „Emerging Field”?

Prof. Grimm: Die Kooperationen mit der Medizinischen Fakultät lassen sich dem Bereich der Neuroökonomie zuordnen. Dabei werden neurologische Vorgänge im Zusammenhang mit strategischer Interaktion erforscht. Eines der Projekte beschäftigt sich mit Fragen der „prozeduralen Fairness“. Uns interessiert im Endeffekt, ob faire Regeln ausreichend sind, um hohe Zufriedenheit mit Institutionen zu gewährleisten oder ob tatsächlich die Ergebnisse von Prozessen fair sein müssen. Ein zweites Projekt beschäftigt sich mit der Frage, ob Individuen bereit sind, Nutzenverluste in Kauf zu nehmen, um die Effizienz eines Systems zu steigern. Das sind alles sehr grundlegende Fragen, die aber für die Akzeptanz von Institutionen von großer Bedeutung sein können.

Sie arbeiten mit einer Reihe von Kollegen zusammen – teilweise aus der Medizinischen Fakultät. Wie setzen sie das Forschungsprojekt gemeinsam um?

Prof. Grimm: Die Wissenschaftler arbeiten in kleinen Gruppen in einzelnen Forschungsprojekten zusammen. Parallel gibt es regelmäßig interne Workshops, auf denen Ergebnisse vorgestellt und aus Sicht der beteiligten Disziplinen kritisch hinterfragt werden. Diese Diskussionen sind sehr fruchtbar und lassen die Gruppe näher zusammenwachsen.

Vielen Dank für das Interview.

Links zum Thema

Emerging Fields an der FAU

http://www.uni-erlangen.de/forschung/efi.shtml