Ich war noch niemals Diplomat in New York

Ansgar studiert Sozialökonomik und vertritt die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als Delegierter bei dem weltweit größtem Planspiel „National Model United Nations“  in New York City.

Er wird einer von über 5.000 Studierenden aus aller Welt sein, der die Möglichkeit hat, Verhandlungen der Vereinten Nationen zu simulieren.

Wer kann heute für globalen Frieden sorgen? Wer kann in Ländern wie Libyen oder Syrien Konflikte lösen? Was ist diese sogenannte Weltgemeinschaft, und wie sieht Völkerverständigung ganz konkret aus? Bei all diesen Fragen wird einem eine bestimmte Organisation einfallen: Die Vereinten Nationen.

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sendet jedes Jahr eine studentische Delegation zu dem weltweit größten Planspiel der Vereinten Nationen, den National Model United Nations, nach New York City. FAUMUN heißt das Projekt der Uni, dessen Ziel es ist, Studierenden die internationale Diplomatie und Politik hautnah miterleben und spielerisch mitgestalten zu lassen – wobei, ganz nebenbei, eine Menge Soft Skills erlernt werden: Präsentationsfähigkeit, Rhetorik, Verhandlungsgeschick, Selbstsicherheit, Teamwork und vor allem eins: Durchhaltevermögen.

Gelockt durch diese Versprechen habe ich mich im Sommer 2011 für das Projekt beworben und bin nun einer von 24 Studierenden, die die gesamte FAU Erlangen-Nürnberg in New York vertreten werden.

Wie wurde ich als Delegierter ausgewählt? Im August habe ich zunächst meine Bewerbung, das heißt meinen Lebenslauf und ein ausführliches Motivationsschreiben, abgeschickt. Auf Englisch „selbstverständlich“ – denn die gesamte Vorbereitung läuft in dieser Sprache ab. Nach dieser ersten Hürde wurde ich zu Beginn des Wintersemesters zu einem Auswahlgespräch eingeladen, und bald darauf ging die Vorbereitung los: ein wöchentliches Seminar, Vorbereitungswochenenden, Probesimulationen, eine Exkursion nach Berlin…

Bei dem ersten Treffen war gleich „Western Business Attire“ angesagt, alle Delegierten erschienen in Anzug und Krawatte, Kostüm oder Hosenanzug. Ich habe mich durchaus ein wenig fehl am Platz gefühlt, als ich im Anzug (stilecht mit McDonalds-Tüte dazu) mit Bus und U-Bahn zu unserem ersten Treffen gefahren bin.

Zu Beginn besuchten wir in Erlangen Wochenendseminare zu Rhetorik und Verhandlungsablauf, aber auch ein sogenanntes Clown-Seminar. „Was macht Ihr am Wochenende? Clown spielen?“ – wurde ich oft gefragt, und eine knappe Antwort fiel mir nicht wirklich leicht. In etwa so: es geht darum Hemmungen zu verlieren, Emotionen zu artikulieren, Spontaneität zu zeigen und als Gruppe zusammenzuwachsen.

Unsere neu erlernten Fähigkeiten konnten wir bei der ersten Probesimulation im Dezember 2011 in Bad Kissingen das erste Mal ausprobieren. Gemeinsam mit Studierenden aus Erfurt und Bamberg erfuhren wir, wie toll es sich anfühlt, einen Verhandlungserfolg zu erzielen oder eine gelungene Rede zu halten. Aber auch, wie frustrierend zähe Diskussionen und Machtkämpfe sein können – und wie lang ein Diplomatentag ist. Das offizielle Programm endet gegen 23 Uhr. Fällt uns Delegierten dann noch Spannenderes ein als sofort ins Bett zu gehen, kann man die Schlafstunden an einer Hand abzählen.

Während des Semesters bestand unsere Hauptarbeit bei FAUMUN darin, in einem sogenannten Position Paper die Position des zu vertretenden Landes zu drei bestimmten Themen darzustellen. Um Rückmeldung zu erhalten, präsentieren wir die Themen regelmäßig unseren Kommilitonen und den beiden Delegationsleitern Nadine Paulick und Oliver Burger, die im vorangegangenen Projektjahr selbst sehr erfolgreich als Delegierte an FAUMUN teilgenommen haben und uns daher wertvolles Wissen vermitteln können.

In New York werden wir als Delegation ein bestimmtes Land vertreten. Doch welches wird es werden: Indonesien? Norwegen? Brasilien? Oder vielleicht der Iran?

Am 1. November 2011 haben wir es erfahren: The Republic of the Sudan. Der Sudan, also Nordsudan. Least Developed County. Darfurkrise. Menschenrechtsverletzungen.

Der Sudan stand bei uns nicht gerade oben auf der Wunschliste – das Land ist eine große Herausforderung für uns. Aber es sind ja gerade diese Herausforderungen, an denen wir wachsen sollen und wollen. Oder wie unsere Projektleiter Nicolai Makosch und Alexander Hoeppel sagten: „Es ist sicherlich eine Herausforderung, aber tatsächlich ist diese sehr positiv zu sehen: Ein Musterland wie Norwegen zu vertreten, ist eine fast langweilig dankbare Aufgabe, die keine besonderen Überzeugungsfähigkeiten voraussetzt. Hat man dagegen ein Land wie den Sudan authentisch und dabei gleichzeitig gewinnend vertreten, muss man sich vorher selbstreflexiv mit seiner Argumentation und seinem Auftreten befassen und lernt ganz nebenbei noch eine Menge über Diplomatie und die politische Realität in den Vereinten Nationen.“

Nach vier Monaten der Vorbereitung haben wir viel erlebt und gelernt. Ende März heißt es dann: zeigen, was wir gelernt haben, alles geben, fluchen, jubeln… in… New York!

Fortsetzung folgt…

Ansgar

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