>> BIRD – Wie entstehen (Fort-)bildungsangebote zum Thema „Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz“?

Am 1. Oktober 2020 war es soweit: Der offizielle Start des InnoVET-Projektes BIRD. Der Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Wilbers ist daran federführend beteiligt. Es ist eines von 17 Projekten, die im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunft gestalten – Innovationen für eine exzellente berufliche Bildung“ (kurz „InnoVET“) in den kommenden vier Jahren vom BMBF gefördert werden. Dabei hat sich das InnoVET-Projekt BIRD gegenüber ursprünglich 176 eingesendeten Projekten durchgesetzt. Neben dem Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung sind auch die IHK Nürnberg für Mittelfranken, die IHK für Oberfranken Bayreuth sowie die Qualitus GmbH zentrale Verbundpartner des Projektes. Darüber hinaus sind mehrere Berufsschulen in Nürnberg wie auch in Bayreuth sowie die Universität Bayreuth wichtige Kooperationspartner.

Der Titel des Projekts verrät jedoch zunächst nicht, worum es dabei eigentlich geht. Bei dem Begriff BIRD handelt es sich um eine Abkürzung, die für „Bereichsübergreifende Bildungsangebote für Industrie 4.0 auf der Plattform der DQR-Stufe 5 als Katalysator der Durchlässigkeit“ steht. Was zunächst kompliziert klingt wird deutlicher, wenn man sich das Ziel des Projektes anschaut: Das Projekt verfolgt im Hinblick auf die Fortbildungsstufe „Geprüfte/r Berufsspezialist/in“ die Entwicklung durchlässiger und transferfähiger Bildungs- und Beratungsangebote in der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie in der akademischen Bildung. Bei der Entwicklung dieser Bildungs- und Beratungsangebote spielt der Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung eine entscheidende Rolle.

Zentrale Inhalte, die bei der Entwicklung der Bildungs- und Beratungsangebote berücksichtigt werden müssen, sind die Anforderungen der Industrie 4.0. Das „Internet of Things“ und die Künstliche Intelligenz sind so beispielsweise ein mögliches Thema für die Fortbildung. Gleichzeitig gilt es, sowohl kaufmännische als auch gewerblich-technische Mitarbeitende möglichst flexibel zu qualifizieren. Dies gelingt, indem es neben einem spezialisierenden technischen sowie kaufmännischen Profil auch eine Koppelung beider Qualifizierungen geben wird. Die einzelnen Lerneinheiten sollen im Blended-Learning-Design entwickelt werden.

Um uns einen genaueren Einblick in das Projekt zu geben, haben sich Franziska Müller und Moritz Renner bereit erklärt, uns im Interview mehr über den Hintergrund und die Arbeit im Projekt zu erzählen. Beide sind aktuell als wissenschaftliche Mitarbeitende im InnoVET-Projekt „BIRD“ tätig.

Was genau ist der Hintergrund des Projektes und worin liegt die Notwendigkeit neuer Bildungs- und Beratungsangebote?

Das InnoVET-Projekt BIRD hat das Ziel die erste Fortbildungsstufe der beruflichen Bildung – dem/der sogenannten „Berufsspezialisten/In“ – durch die Gestaltung eines Bildungsangebotes ein Profil zu geben. Die drei Berufe Industriekaufmann/frau, Industriemechaniker/In und Mechatroniker/In nehmen hierbei die Stellung der Erprobungsberufe ein. Die erste Fortbildungsstufe, die fünfte Stufe des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR), ist in Deutschland noch weitestgehend unterrepräsentiert und unerforscht. Nach der beruflichen Erstausbildung verweilen die Fachkräfte oftmals auf der DQR-Stufe 4 oder bilden sich direkt auf der DQR-Stufe-6 weiter. Unter der DQR-Stufe 6 lässt sich z.B. der Meisterabschluss in der beruflichen Bildung oder der Bachelorabschluss in der akademischen Bildung eingruppieren. Das bedeutet, dass die DQR-Stufe 5 eine Plattform der Fortbildung darstellt, die es zum einen inhaltlich-neu zu bespielen gilt und zum anderen für die vor- und nachgelagerten DQR-Stufen als dazwischenliegende Fortbildungsstufe funktionieren muss. Ein Abschluss auf dieser Fortbildungsstufe wird genauso eine sogenannte “hoheitliche Stellung” innerhalb der Bildungslandschaft einnehmen, wie eben ein Berufsausbildungs- oder Meisterabschluss.

Der Qualifikationsbedarf zu Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz begründet die Notwendigkeit dieses neue Bildungsangebot zu etablieren. Der zunehmende Fachkräftemangel ist ein weiteres Argument für die Fortbildung. Darüber hinaus werden durch die zunehmend fachübergreifende Zusammenarbeit der kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufsfelder vermehrt interdisziplinäre Kompetenzen gefordert. Unsere zu gestaltende Fortbildung sieht demnach eine Kopplung der soeben genannten Berufe vor. Die zukünftigen Berufsspezialisten werden nicht nur für ihren eigenen Beruf mit tieferen Kompetenzen ausgestattet, sondern in den jeweils gegenüberliegenden Berufen fit gemacht und auch miteinander in bereichsübergreifenden Themen geschult.

An wen genau richtet sich das Projekt? Ist es möglich, dass auch Studierende der WiSo mit den Bildungs- und Beratungsangebote in Kontakt kommen?

Das Projekt richtet sich sowohl an bildungsnachfragende Unternehmen bzw. Erwerbstätige als auch Auszubildende und Studierende. Im Rahmen des InnoVET-Projekts BIRD stellt die „Durchlässigkeit“ einen zentralen Aspekt dar. Ziel ist nicht nur die Kopplung der Fortbildungsstufen (DQR-4 bis DQR-6), sondern auch eine Verknüpfung der Beruflichen und Akademischen Bildung. Somit soll eine Verbindung zwischen der Berufsausbildung (DQR-4), der beruflichen Weiterbildung (DQR-6) und der akademischen Bildung hergestellt werden. Studierende, die sich neuorientieren wollen und ggf. einen Abbruch ihres Studiums in Erwägung ziehen, können die im Rahmen des Projekts entwickelten Bildungs- und Beratungsangebote nutzen, um sich vor allem auf dem Gebiet der Industrie 4.0 und der künstlichen Intelligenz zu qualifizieren. Außerdem wird ein Abschluss auf der ersten Fortbildungsstufe erreicht, auf den wiederrum auch aufgebaut werden kann.

Eine Vielzahl von Studierenden besucht Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung und setzt sich mit diesen Themen auseinander. Inwiefern können Konzepte aus der Wissenschaft bei der Entwicklung der Bildungs- und Beratungsangebote helfen?

Für die Entwicklung der Bildungs- und Beratungsangebote spielen sowohl theoretische Konzepte als auch Informationen und Erfahrungswerte aus der Praxis eine große Rolle. Konzepte aus der Wissenschaft stellen hierbei die theoretische Grundlage dar. Sowohl in die Bedarfsanalyse als auch in die methodisch-mediale Gestaltung der Fortbildung fließen Erkenntnisse aus der Wissenschaft ein. Die Bildungsangebote werden beispielsweise im Blended-Learning-Design gestaltet. Für die Erhebung der Bedarfe in den Unternehmen wurde Literatur sowie verschiedenste Studien gesichtet, um einen Einblick in die Kompetenzen auf den bisher bespielten DQR-Stufen zu erhalten und mögliche Tätigkeitsfelder herauszuarbeiten.

Kick-Off-Veranstaltung des InnoVET-Projektes BIRD

Am 8. Oktober 2020 fand die Kick-Off Veranstaltung des InnoVET-Projektes BIRD statt. Seitdem sind nun bereits fast sechs Monate vergangen: Können oder dürfen Sie bereits über einen ersten Zwischenstand hinsichtlich der Zusammenarbeit und der Durchführung sprechen?

Auf der Kick-Off Veranstaltung im Oktober 2020 wurden die Weichen für das InnoVET-Projekt BIRD gestellt. Seitdem arbeiten die acht Projektpartner, denen Industrie- und Handelskammern, Berufsschulen, Universitäten sowie die Qualitus GmbH angehören eng innerhalb eines agilen Projektmanagementsettings zusammen. Im Rahmen des agilen Projektmanagements wurden bisher vier Sprints mit einer Laufzeit von à 4 Wochen durchgeführt. In diesen werden die vier großen Arbeitspakete des Projektes schrittweise bearbeitet:

  • Das Design der Kopplung der Fortbildung
  • Das didaktische Design der gekoppelten Fortbildung
  • Das Design der Orientierung zur gekoppelten Fortbildung
  • Das Design der Qualifizierung des Bildungspersonals

Ende 2020 wurde außerdem die Vortragsreihe „SpotOn“ implementiert. Diese rückt den Fokus auf projektrelevante Themen und ermöglicht es den Mitarbeitenden sich diesbezüglich zu informieren und auszutauschen. Bisher wurden beispielsweise bereits Vorträge zu den Themen „InnoVET-Wettbewerb“ und „Künstliche Intelligenz“ gehalten, wobei sowohl Projektmitarbeitende als auch externe Experten die Vorstellung der Themen übernehmen können. Darüber hinaus versuchen sich die Projektmitglieder der unterschiedlichen Projektpartner über die sogenannten “CupTalks” wöchentlich für einen kurzen Plausch zu treffen, um sich auch in Zeiten der aktuell rein digitalen Arbeitswelt auszutauschen.

Vielen Dank an Franziska Müller und Moritz Renner für die Einblicke in das Projekt und ihre Arbeit!

Mehr Informationen sowie aktuelle Meldungen zum InnoVET-Projekt BIRD finden sich auf der Webseite des Projektes sowie des Lehrstuhls. Auch die Webseite des Innovationswettbewerbs InnoVET enthält viele spannende Infos über das Projekt.