>> WiSo-Studentin Aya Jaff startet im Silicon Valley durch

Programmierer verbringen die meiste Zeit des Tages in einem dunklen Zimmer vor ihren Rechnern und soziale Kontakte sind offline undenkbar? Dieses Klischee verkörpert die Wirtschaftsinformatik-Studentin und Programmiererin Aya Jaff sicherlich nicht. Sie brachte sich schon in jungen Jahren selbst das Programmieren bei und organisierte Programmierclubs für Gleichgesinnte. Nun konnte die zielstrebige Studentin sogar einen Job im Silicon Valley ergattern. Das bemerkte auch die Fachzeitschrift für neue Technologien „t3n“ und führte Aya kürzlich in ihrem Ranking der „20 unter 20“ auf. Darin listet die Zeitschrift digitale Pioniere, also junge Menschen, die auf digitale Weise etwas revolutionieren wollen, auf.

Das Coverfoto von Aya für die "t3n". Foto: Kevin Münkel

Das Coverfoto von Aya für die “t3n”. Foto: Kevin Münkel

„Es ist komisch gewesen, selbst ein Abo der Zeitschrift zu haben und sich dann im Briefkasten zu entdecken“, meint die mittlerweile 20-Jährige Studentin. „Ich kenne viele Jugendliche, die diesen Titel ebenso verdienen“. Gleichzeitig habe sie sich aber auch sehr geehrt gefühlt, nicht nur unter den 20 Ausgezeichneten zu sein, sondern auch noch für das Titelbild ausgewählt worden zu sein. Die Anfrage dazu kam ganz einfach per Mail, das Shooting fand kurz darauf in Hannover statt.

„Ich versuche stets auf dem neuesten Stand der Technik zu sein und so viel wie möglich zu verstehen und nachzufragen“, meint Aya. Das Interesse der Studentin für Computer und Wirtschaft weckte hauptsächlich ihre Familie. Ihr Vater erklärte Aya schon früh, was man mit einem Computer alles anstellen kann. Ayas sechs Jahre ältere Schwester gab ihr diverse Bücher und Magazine zum Thema Wirtschaft zum Lesen. „Das Buch ‚Rich Dad, Poor Dad’ von Robert Kiyosaki war für mich unglaublich prägend“. Also beschloss sie, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und sich in der Selbständigkeit zu versuchen. Mit 16 Jahren tüftelte sie an der Programmierung einer Stundenplan-App, merkte aber schnell, wie kompliziert und teuer ein solches Vorhaben werden kann. Daraufhin gründete sie Programmierclubs, um gemeinsam mit Gleichgesinnten an ihren Fähigkeiten zu arbeiten. Später entschied sich Aya für ein Studium der Wirtschaftsinformatik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, um zu lernen, was Facebook und andere Unternehmen so erfolgreich gemacht hat. Ihre Interessen sind vielfältig und mittlerweile kann sie sich auch einen Wechsel hin zu den Wirtschaftswissenschaften vorstellen.

Von Mittelfranken ins Silicon Valley

Nach dem Abitur hatte Aya große Ziele: das Silicon Valley in Kalifornien. Im Newsletter von „Women Who Code“ entdeckte sie ein Angebot für einen siebenwöchigen Kurs der Draper University. Ein Stipendium ermöglichte ihr die Finanzierung des 9.600 $ teuren Kurses.

Aya (2. v.r.) mit anderen Kursteilnehmern. Foto: Privat

Aya (2. v.r.) mit anderen Kursteilnehmern. Foto: Privat

Angekommen in Kalifornien warteten echte Abenteuer auf die Teilnehmer, von denen die meisten wie Aya aus dem Ausland angereist waren. Universitätsgründer und Investor Tim Draper setzte seine Schützlinge zunächst fünf Tage lang stressigen Bedingungen aus: Zelten, Bogenschießen, in eiskaltem Wasser schwimmen, Schießen und Wandern in der nordkalifornischen Natur. Kombiniert mit sehr frühem Aufstehen stießen die Kursteilnehmer dabei auch mal an ihre Grenzen. „Solche Erlebnisse stärken das Durchhaltevermögen und machen stressresistenter“.

Im Laufe des mehrwöchigen Aufenthalts in den USA arbeiteten die Teilnehmer sowohl an ihren Soft Skills als auch an ihrem Fachwissen. Im Zuge dessen wurden sie von vielen renommierten Unternehmensberatern besucht, die sie bei ihren Ideen unterstützten. Sie behandelten beispielsweise die Themen Recht, Patente, Buchhaltung. Nach sieben Wochen intensiver Arbeit fand schließlich ein „Pitch Day“ statt, an dem die Teilnehmer ihre Idee für ein eigenes Unternehmen vortragen und Investoren von sich überzeugen mussten.

Jobangebot von Hyperloop Transportation

Einer der Speaker während des Kurses war Dirk Ahlborn, Chef von Hyperloop Transportation Technologies, mit dem sich Aya intensiv über das Thema Transport austauschte. Seine Firma beschäftigt sich mit dem Vorhaben, Passagiere mit sehr hoher Geschwindigkeit mittels großer Röhren zu transportieren. Nach dem „Pitch Day“ bot Ahlborn der Studentin einen Job an, um weiter an ihrer vorgestellten Idee zu arbeiten – dafür hat sie sich extra ein Urlaubssemester genommen. Woran sie genau arbeitet, möchte sie aber noch nicht verraten.

Aya spricht am "Pitch Day" vor Investoren. Foto: Privat

Aya spricht am “Pitch Day” vor Investoren. Foto: Privat

Anderen programmierbegeisterten Studierenden rät sie: „Am besten selbst an einer Idee arbeiten! Sei es ein Nachbau einer coolen Webseite oder ein kleines Arduino-Projekt für zuhause. Dabei lernt man ungemein viel dazu“. Und so ist es nicht unwahrscheinlich, Aya nach Abschluss ihres Studiums am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften wieder in San Francisco, bastelnd an einer neuen Startup-Idee, anzutreffen.