Auf die Plätze – Science – Slam: Simon Reif im Interview

„Ich beschäftige mich mit der Frage, warum Neugeborene so leicht sind.“ sagt der blonde Darsteller auf der Bühne. Im Publikum verwunderte Gesichter: „Kann man doch klar beantworten!“ wird sich der ein oder andere Besucher denken. Simon Reif, Teilnehmer des Science Slams, hat hierfür jedoch eine wissenschaftliche Erklärung parat und überrascht die Zuhörer mit verständlich und witzig aufbereiteten Fakten über Fehlanreize beim Fallpauschalensystem für Neugeborene. Wissenschaft für jedermann erklärt – das ist Science Slam.

Simon Reif weiß Beruf und Hobby geschickt zu verbinden. Seinen Bachelor in Sozialökonomik hat er hier am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg gemacht, danach ging es für den Master in VWL an die LMU München. Seit ca. 1,5 Jahren erobert der junge Wissenschaftler regionale und überregionale Bühnen der Science Slam Welt. Science Slam lässt sich mit dem bekannteren Format des Poetry Slams vergleichen. 10 Minuten hat jeder Slammer Zeit, das Publikum für sein aktuelles Forschungsthema zu begeistern. Präsentationen zur Veranschaulichung und der ein oder andere Lacher dürfen nicht fehlen.

Wenn Simon nicht auf der Bühne steht, ist er an der Professur für Gesundheitsökonomie des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu finden. Seit September 2014 promoviert Simon über institutionelle Anreize bei Anbietern von Gesundheitsleistungen. Dass er seine aktuelle Arbeit durch den Science-Slam Zuhörern näher bringen kann, hat für ihn einen klaren Vorteil: „Im Normalfall werden wissenschaftliche Vorträge ja eher nicht von Zuschauern überrannt“, erläutert Simon, „Beim Science Slam kommen schon mal 600 Besucher pro Abend, die sogar noch Eintritt zahlen“.

Mittlerweile ist Simon auch nicht mehr nervös vor Auftritten. Einen Energy-Drink zur Auflockerung gibt es vorab und dann kann die Show beginnen. Seit ca. Oktober 2013 slammt Simon nun. Eine Freundin von ihm hatte damals in Bamberg einen Science Slam organisiert und noch Beiträge gesucht. Simon, der der zu der Zeit gerade an seiner Bachelorarbeit schrieb, bereitete sein Thema „Lebenszufriedenheit und Scheidungsrisiko“ für die breite Masse verständlich und lustig auf und absolvierte seinen ersten Slam.

Seitdem ist Simon deutschlandweit unterwegs. Wer erwartet hat, dass Simon dafür lange Rhetorik-Kurse besucht hat oder viel Üben musste, wird enttäuscht. Zuerst halfen ihm Videos von anderen Slammern bei der Vorbereitung, mittlerweile hat er sein eigenes Konzept für die Bühne entwickelt. Für den Promovend steht trotz der lockeren Atmosphäre nicht der Spaß, sondern seine Forschung im Vordergrund, die er dem Publikum näher bringen möchte.

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Tagsüber ist er Wissenschaftler, nachts steht er auf der Bühne. Vor wenigen Jahren war diese Kombination von Hobby und Beruf noch relativ unbekannt. Für Simon bringt jeder Auftritt Bühnenerfahrung und einen wachsenden Kreis an Interessenten für sein Forschungsgebiet. Oft kommt es nach den Veranstaltungen zu Diskussionen mit Praktikern oder Betroffenen.

In seinen Veranstaltungen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften setzt Simon seine Fähigkeiten nur wenig ein. „In meinen Übungen muss ich die Leute ja auf die Klausur vorbereiten, da bleibt nur bedingt Zeit für Späßchen“ meint er, empfiehlt aber jedem Studierenden oder Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeiten die das Format Science Slam bietet zu nutzen. Für Interessierte gibt zum Beispiel die Möglichkeit an der FAU einen Science Slam Kurs zu belegen und sich selbst als Slammer zu beweisen.

Wer Simon gerne live sehen möchte, hat dazu im Sommer in Karlsruhe, Ulm und Berlin die Möglichkeit. Außerdem ist Simon als Teil des Programms der Professur für Gesundheitsökonomie bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2015 am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften vertreten.

Weitere Informationen:

http://gesoek.wiso.fau.de/

https://www.fau.de/2015/03/06/news/panorama/vom-seminar-zum-slam/

http://www.univis.uni-erlangen.de/form?__s=2&dsc=anew/lecture_view&lvs=zwiss/zentra/zentr/scienc&anonymous=1&founds=zwiss/zentra/zentr/scienc&sem=2015s&__e=533