>> Für Chancengleichheit in der Wissenschaft – Ein Einblick in das ARIADNE ReWi Mentoring-Programm

ARIADNEReWi fördert und begleitet Nachwuchswissenschaftlerinnen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät auf dem Weg einer akademischen Karriere. Das Programm bietet Unterstützung durch individuelles Mentoring, hochkarätige Workshops und regelmäßige Netzwerktreffen und richtet sich insbesondere an Promovendinnen, Postdoktorandinnen sowie Habilitandinnen der Fachbereiche Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften. Im April 2014 startete das Programm an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät erstmals und ging nun im Oktober 2017 bereits in die dritte Runde. Das ARIADNE Mentoring-Programm gibt es an jeder Fakultät der FAU – der Naturwissenschaftlichen und Technischen Fakultät (ARIADNETechNat), der Medizinischen Fakultät (ARIADNEmed), der Philosophischen Fakultät (ARIADNEphil), und eben auch an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (ARIADNEReWi) – sodass Nachwuchswissenschaftlerinnen der gesamten Uni daran teilnehmen können.

Wir haben die Programmkoordinatorin Barbara Erdel persönlich getroffen und ihr interessante Fragen zum Programm gestellt.

Was macht das ARIADNE-Programm an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät besonders?

© FAU, Büro für Gender und Diversity

Das ARIADNEReWi Mentoring-Programm besteht aus mehreren Bausteinen. Erstens einer Mentoring-Beratung, bei der jede Teilnehmerin eine in der Wissenschaft erfahrene Person – meist eine Professorin oder einen Professor – als Mentorin bzw. Mentor zur Seite gestellt bekommt, die bzw. der sie dann für die gesamte Dauer des Programms von 18 Monaten begleitet. Zweitens der Möglichkeit zur Teilnahme an Seminaren und Workshops zu karriererelevanten Themen. Und drittens den Netzwerktreffen, bei denen sich die Teilnehmerinnen untereinander vernetzen und austauschen können. Der letzte Baustein ist besonders wichtig, denn durch den engen Austausch entsteht eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt und die den Teilnehmerinnen auch zeigt, dass sie mit ihren Sorgen und Problemen nicht alleine sind. 

Die Gruppengröße ist hierbei immer unterschiedlich und hängt von der Zahl der Bewerberinnen ab, im Schnitt sind es zwischen 18 und 23 Teilnehmerinnen pro Runde. Zu Beginn einer jeden Programmrunde findet eine festliche Auftaktveranstaltung statt, zu der alle Teilnehmerinnen und Mentorinnen und Mentoren eingeladen werden, sowohl von der neuen als auch der vorherigen Runde, sodass diese Veranstaltung gleichzeitig der Abschluss der letzten Runde ist. Bei dieser feierlichen Rahmenveranstaltung gibt es einen Gastvortrag, Grußworte und hinterher noch die Möglichkeit, bei einem Buffet die ersten Kontakte zu knüpfen und sich kennenzulernen. Einige der Teilnehmerinnen kennen sich auch schon von der Universität oder sogar noch aus dem Studium. Danach beginnen die 18 Monate mit dem Workshop-Angebot, den Netzwerktreffen und natürlich den Mentoring-Gesprächen. Nach den eineinhalb Jahren beginnt dann die nächste Runde.

Was sind die Voraussetzungen für die Teilnehmerinnen?

Eine grundlegende Voraussetzung ist, dass die Bewerberin Interesse an einer wissenschaftlichen Laufbahn hat, da es ja unser Ziel ist, den Anteil von Professorinnen und Wissenschaftlerinnen an der Fakultät zu erhöhen. Außerdem muss sie formal an die FAU angebunden sein, das heißt, dass sie hier an der FAU angestellt ist oder als „Externe“ an der FAU promoviert bzw. habilitiert. Eine weitere Teilnahmevoraussetzung ist die Motivation zur Teilnahme am Programm – also dem Mentoring, den Seminaren und den Netzwerktreffen – und auch die Bereitschaft, Eigeninitiative zu zeigen, vor allem auch um das Mentoring mitzugestalten, um am Ende möglichst viel davon zu profitieren.

Wie sieht das Mentoring konkret aus und wie läuft es ab?

Zu Beginn schicken mir die Bewerberinnen ihren ausgefüllten Profilbogen zu, in dem sie neben Informationen zu ihrem bisherigen Lebenslauf auch angeben, was sie konkret vom Mentoring erwarten und welche Themen sie gerne ansprechen möchten. Das kann ganz unterschiedlich sein; bei manchen steht das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Vordergrund, für andere ist die Karriereplanung wichtig, und manche möchten gerne Tipps zur Organisation eines Auslandsaufenthalt erhalten, bei dem sie längere Zeit an einer Universität im Ausland forschen. Die Organisation der Treffen machen Mentee und Mentorin bzw. Mentor unter sich aus, wir geben keine Vorgaben. Einige gehen zum Beispiel Mittagessen, andere treffen sich zum Kaffeetrinken oder auch im Büro. Die Mentorin bzw. der Mentor begleitet seine Mentee über den ganzen Programmdurchlauf hinweg und viele bleiben danach auch weiterhin in Kontakt.

Welche Ziele verfolgt ARIADNEReWi und welche Probleme adressiert das Programm?

Obwohl wir sowohl bei den Wirtschaftswissenschaften als auch in der Rechtswissenschaft unter den Studierenden mehr Frauen als Männer haben, ist der Anteil der Frauen unter den Professuren sehr gering. Aktuell beträgt der Anteil an Professorinnen hier am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften etwa 30%, am Fachbereich Rechtswissenschaft gibt es derzeit keine einzige Professorin. Dementsprechend möchten wir potenzialreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen zu einer wissenschaftlichen Karriere motivieren und ihnen auch die nötige Unterstützung auf diesem Weg geben. Wir möchten dazu beitragen, dass die Akademikerinnen nicht vorzeitig den Wissenschaftsbetrieb verlassen. Außerdem möchten wir den Teilnehmerinnen zeigen, dass die eigenen angestrebten Ziele nicht unerreichbar sind, und vor allem nicht vom Geschlecht abhängen. Das ARIADNE-Programm ist demnach eine Maßnahme von vielen, um dieses Ziel langfristig zu erreichen.

Haben sich schon Veränderungen gezeigt seit es ARIADNEReWi gibt?

Das ist leider ganz schwierig zu belegen, da dies kaum zu messen ist. Der Weg vom Studium zur Professur kann sehr lang sein und es gibt sehr viele Faktoren, die diesen Weg beeinflussen – das ARIADNE-Programm ist ein Teil und kann die Frauen auf diesem Weg unterstützen. Es spielen aber auch ganz viele weitere Faktoren eine große Rolle, die letztendlich entscheidend für eine Karriere in der Wissenschaft sind. Das sind zum einen individuelle Faktoren, wie beispielsweise die intrinsische Motivation, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben, oder auch strukturelle Faktoren, wie die persönlichen Lebensumstände, wie zum Beispiel die Gründung einer Familie, oder die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Wir bekommen dennoch immer viele positive Rückmeldungen von den Mentees, dass sie sich sicherer und bestätigt fühlen mit ihrer Entscheidung, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen.

Abschließend, welchen Tipp würden Sie Frauen auch außerhalb des akademischen Bereichs geben aufbauend auf Ihren Erfahrungen im ARIADNE-Programm?

Nicht aufgeben und durchhalten, auch wenn es manchmal schwer fällt, denn am Ende lohnt es sich immer, seine Ziele fest im Blick zu haben und stetig zu verfolgen – und das nicht nur auf beruflicher sondern auch auf privater Ebene – auch wenn manchmal Hürden auf dem Weg liegen.

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Das ARIADNEReWi Mentoring-Programm ist Teil der Zielvereinbarungen zur Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft, die zwischen der Universität und der Fakultät geschlossen wurde. Im Rahmen dieser Zielvereinbarungen gibt es noch weitere Fördermöglichkeiten für Frauen im wissenschaftlichen Bereich. Mehr Informationen dazu findet man auf der Homepage der Frauenbeauftragten der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät www.frauenbeauftragte.rw.fau.de

Weitere Informationen rund um das ARIADNEReWi Programm findet ihr hier. Bewerbungen für die 4. Programmrunde sind voraussichtlich ab Oktober/November 2018 möglich. Alle Infos hierzu finden Sie rechtzeitig auf der Internetseite.