>> Arfinity – Ein Startup zeigt, wie Digitalisierung in der Messe-Branche funktioniert

Das Thema Digitalisierung beschäftigt seit Jahren alle Branchen. Auch die Messe-Branche muss sich mit diesem Thema auseinandersetzen, was nicht zuletzt die Corona-Pandemie deutlich gezeigt hat. Ein Start-up einer ehemaligen Studentin der WiSo sowie zwei Doktoranden der TechFak, welches im Rahmen des Digital Tech Fellows-Programm (weiter-)entwickelt wurde, macht mit einer innovativen Idee vor, wie die Messe-Branche die Digitalisierung zu ihrem Vorteil nutzen kann.

Wir hatten die Gelegenheit, den Gründungsmitgliedern von arfinity einige Fragen zu ihrem Start-up sowie dem Gründungsalltag zu stellen:

Stellt euch und euer Team bitte kurz vor:
Wir sind bei arfinity ein dreiköpfiges Team und kommen alle ursprünglich von der FAU. Lucia hat vergangenes Jahr ihren Master in Marketing an der WiSo abgeschlossen. Felix und Sebastian sind beide von der Technischen Fakultät aus der Physik – Sebastian hat dort im letzten Jahr seinen Ph.D. erfolgreich beendet, Felix wird ihn dieses Jahr abschließen. Insofern haben wir auch alle Kenntnisse und Fertigkeiten im Team, die wir für das Startup brauchen – Felix und Sebastian bringen die nötigen Skills für die Programmierung und technische Umsetzung unserer Idee mit und Lucia kümmert sich um die betriebswirtschaftlichen Aufgaben.

Das Team von arfinity

Könnt ihr kurz erklären, was genau euer Start-up arfinity macht?
Bei arfinity fokussieren wir uns auf den Messebereich. Dabei entwickeln wir eine Augmented Reality (AR) Content- und Interaktionsplattform, die es Messeausstellern ermöglicht, ihre Produkte platz- und ressourceneffizient in AR zu präsentieren. Wenn bisher AR auf Messen eingesetzt wird, sind immer nur fragmentierte Anwendungen jeweils an einzelnen Ausstellerständen verfügbar. Wir möchten hingegen eine ausstellerübergreifende Plattform anbieten, die Besuchern den Zugriff auf die Inhalte aller Aussteller in einer App ermöglicht – mit dem eigenen Endgerät. Damit ist die Nutzung wesentlich einfacher und komfortabler. Für die Aussteller bedeutet dies, dass mehr Besucher auf die AR-Inhalte zugreifen können. Um die Erstellung des Contents zu vereinfachen, bietet arfinity ein Tool zur Erstellung und Verwaltung von Inhalten, mit dem Aussteller ihre eigenen AR-Inhalte für die Messe kreieren und auf die Plattform stellen können.

Wie sind die Idee und das Konzept von arfinity entstanden & was ist das Besondere an eurer Geschäftsidee?
Wir haben uns 2018 tatsächlich bei einem Programm der FAU kennen gelernt – unser Team ist aus dem Fellows-Programm der Digital Tech Academy hervorgegangen, bei dem interessierte Studenten und Doktoranden ihr eigenen Geschäftsmodelle entwickeln und in Workshops alles rund um die Themen Startups und Entrepreneurship lernen können. Dort haben wir eigentlich mit einer ganz anderen Startup-Idee für Augmented Reality angefangen, die wir dann aber verworfen haben. Die Idee für eine Messeanwendung kam uns, als wir uns entsprechende Veranstaltungen angesehen haben und auf die Herausforderungen gestoßen sind, die Messeaussteller bei der Produktpräsentation haben und die wir glauben, sehr gut mit AR lösen zu können.

Kann uns die von euch entwickelte Augmented Reality-Plattform auf Messen – sei es virtuell oder in Präsenz – bereits begegnen? 
Wir haben die zugrundeliegende AR-Technologie schon bei Pilotprojekten eingesetzt, z.B. letztes Jahr bei der Aktionärshauptversammlung von Siemens. Dabei wollten wir grundsätzlich Dinge wie technische Machbarkeit, Nutzerakzeptanz und Usability mal im konkreten Einsatz testen. Momentan ist die Plattform als solche noch in Entwicklung – wir fokussieren uns erst einmal auf den Einsatz der AR-Anwendung bei einzelnen Unternehmen, um wirklich die Funktionen zu finden, die unseren Kunden den größten Mehrwert bieten. Parallel entwickeln wir die notwendigen Elemente für die Plattformlösung, um diese später im Jahr auf den Markt bringen zu können.

Was waren bisher die größten Hürden, die ihr auf eurem Gründungsweg überwinden musstet? 
Wenn man sich unser Geschäftsmodell ansieht, wird recht schnell klar: es baut auf der Veranstaltung physischer Messen auf. Insofern hat die Corona-Pandemie und die Absage aller Events unser Geschäftsmodell erst einmal ziemlich durcheinander gebracht. Das Gute als so kleines Unternehmen ist aber auch, dass man agil auf Änderungen reagieren und sich anpassen kann. Wir waren also gezwungen, uns die geänderten Rahmenbedingungen genau anzusehen und unser Geschäftsmodell und die Next Steps entsprechend noch einmal anzupassen.

Habt ihr schon geplant, wie es weitergehen soll? Was werden eure nächsten Schritte sein?
Ich glaube, als Startup hat man ständig Pläne für die Zukunft und dann kommt es doch irgendwie anders – so wie jetzt eben mit Corona. In nächster Zeit liegt unser Fokus darauf, Kooperationspartner für Pilotprojekte zu finden und dabei die Produktentwicklung voranzutreiben, um dann die skalierbare Plattform fertigzustellen. Wir werden auch in einigen Monaten damit beginnen müssen, nach Investoren zu suchen, um auch das Team zu expandieren. Momentan sind wir aber auch einfach sehr stolz darauf, diesen Monat unser Startup offiziell als GmbH gegründet zu haben und jetzt richtig durchstarten zu können.

Wo seht ihr euch in 5 Jahren? 
In 5 Jahren hat die arfinity AR-Plattform den Messebereich durchdrungen und ist der führende Anbieter für digitale Produktpräsentationen auf B2B-Messen. Zu dieser Zeit werden wir außerdem unsere AR-Plattform ausbauen, um unsere Geschäftstätigkeit auf weitere Verticals auszuweiten. So ist zumindest der Plan!

Ihr seid nun schon um einiges an Erfahrung reicher, was wäre euer persönlicher Tipp an potenzielle Gründer? 
Hört auf das, was eure zukünftigen Kunden zu sagen haben – denn die wissen am besten, welche Probleme sie haben und wie viel es ihnen Wert ist, sie zu lösen. Uns wurde auch so häufig gesagt, dass wir möglichst mit dem Kunden zusammen entwickeln sollen, und trotzdem verliebt man sich manchmal in Funktionen, ohne dass man sie wirklich am Kunden getestet hat.
Und wenn ihr wirklich gründen möchtet, geht auf Leute zu, die euch dabei helfen können. Ihr müsst nicht jeden Schritt alleine gehen. Schon alleine die FAU hat super Angebote, wenn es um das Thema Gründung geht, z.B. die Digital Tech Academy, Existency, die Gründerberatung oder das Sandbox-Programm. Und auch außerhalb der Uni gibt es in der Region tolle Netzwerke, mit denen man in Kontakt kommen kann und die einem dabei helfen, einige Stolpersteine einfach schon frühzeitig zu sehen. Wenn ihr eine gute Geschäftsidee habt: Traut euch!

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch und eurem Start-up arfinity weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

Ihr seid neugierig geworden und wollt mehr Informationen zu dem, was Lucia, Felix und Sebastian mit ihrem Start-up arfinity auf die Beine gestellt haben? Dann schaut auf ihrer Webseite vorbei.

Die FAU bietet viele, sehr erfolgreiche und spannende Programme zur Förderung von Start-ups an. Interessierte, die gerne noch Erfahrungen in diesem Bereich sammeln möchten oder den Entwicklungsprozess eines Start-ups mal miterleben möchten können unter Anderem wählen zwischen Programmen der Digital Tech Academy, der FAU Sandbox und neuerdings auch dem Existency Programm, das aus Zusammenarbeit der TH Nürnberg, der HS Ansbach und der FAU entstanden ist.

Wenn euch das Thema „Start-ups“ interessiert, dann schaut auch in den kommenden Wochen weiterhin mal auf dem WiSo-Blog vorbei. Hier bekommt ihr nächster Zeit Einblicke in den Gründungs- und Entwicklungsprozess von Startups auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Einen spannenden Beitrag zu einem weiteren Start-up, das aus der Digital Tech Academy heraus entstanden ist, findet ihr bereits auf dem WiSo-Blog.