>> Alles anders: Ein Auslandssemester in Schweden zu Zeiten von Covid-19

Göteborg ist die zweitgrößte Stadt Schwedens und zugleich auch eine Universitätsstadt. Deshalb kommen viele internationale Studierende hierher. Besonders auffällig ist dabei, dass es vor allem uns Deutsche in den Norden zieht. Auch Alina, Studentin im Bachelor Sozialökonomik an der WiSo Nürnberg, hat sich dazu entschieden an der „Universitet Göteborg“ ein Auslandssemester zu verbringen. Schweden als Land, hat sie schon von klein auf sehr begeistert und Göteborg bietet die perfekte Chance schwedische Großstadt mit schwedischer Natur zu verbinden. Denn Göteborg bietet einen großen Schärengarten mit vielen Inseln, die man leicht mit einer Fähre erreicht sowie Nationalparks mit schönen Seen. Aber auch das städtische Leben überzeugt: das alte Arbeiterviertel „Haga“ ist ein beliebter Ort, um Cafés zu besuchen oder durch stilvolle Läden zu schlendern. Im Kontrast dazu steht der Freizeitpark „Liseberg“, der sich mitten im Zentrum befindet.

Ein Café in Haga
Ein Café im Viertel “Haga”

Mitte Januar trat Alina die Reise nach Göteborg an. Um sich besser in den schwedischen Uni-Alltag einzufinden, gab es zu Beginn einige hilfreiche Veranstaltungen mit Tipps für das studentische Leben in Göteborg, aber auch allgemeine Informationen zur Universität und zur Stadt. Außerdem wurden Angebote und Organisationen der Universität vorgestellt. Unter dem Semester hatte man trotz wöchentlicher Aufgaben, wie zum Beispiel kurze Hausarbeiten oder Präsentationen, noch genug Zeit, sich mit Freunden zu treffen und die Stadt zu erkunden. Das „Erasmus Student Network“ (ESN) bot zusätzlich wöchentliche Aktivitäten, wie Bowling, Eislaufen, gemeinsames Kochen oder auch Kneipentouren an. Neben diesen alltäglichen Angeboten wurden den Studierenden auch Reisen nach Lappland oder Russland ermöglicht. Diese Chance ließ sich Alina nicht entgehen und trat Ende Februar ihre einwöchige Reise nach Lappland an. In einem großen Bus ging es in knapp 24 Stunden von Göteborg nach Abisko, eine Stadt ganz im Norden von Schweden. Auf dem Tagesprogramm in Lappland standen Aktivitäten wie Schneemobil fahren, Eisschwimmen, Schneewanderungen und natürlich Polarlichter angucken. Eine gelungene und atemberaubende Reise, die jedem zu empfehlen ist.

Lappland

Während dieser Reise war Corona noch längst kein Thema bei den Studierenden. Erst bei der Rückkehr rückte das Virus mehr ins Gespräch. Von Tag zu Tag gab es mehr Informationen und mehr Fälle. Alina verfolgte alles auf den deutschen Nachrichten, denn in Schweden selbst merkte man von dem Virus so gut wie gar nichts. Die Innenstadt war noch sehr belebt, Cafés und Restaurants gut besucht. Deshalb fuhr sie, noch kurz vor Einstufung der Corona-Krise als Pandemie, mit Freunden für ein kurzes Wochenende nach Kopenhagen. Eine Woche später wurde die Sache etwas ernster. Ungefähr Mitte März, machte Dänemark seine Grenzen dicht. Kommilitoninnen und Kommilitionen befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch in Kopenhagen und versuchten so schnell wie möglich zurückzukommen. Andere wiederum befanden sich in Stockholm und berichteten von komplett leeren Museen und einer touristenfreien Stadt. Jetzt schien die Krise langsam auch den Norden zu erreichen …

Freizeitaktivitäten waren nun häufiger nur eingeschränkt möglich, wie zum Beispiel durch begrenzte Besucherzahlen in Museen. Die Kurse an der Uni betraf dies allerdings nicht. Diese fanden weiterhin normal statt, jedoch wurde vermehrt Desinfektionsmittel aufgestellt, um den Virus vorzubeugen. Die Ernsthaftigkeit von Covid-19 wurde vielen ausländischen Studierenden erst jetzt richtig bewusst. Während Deutschland anfing in den Lockdown zu gehen, war das Leben in Schweden zum größten Teil immer noch wie gewohnt. Allerdings bereiteten vielen internationalen Studierenden die Geschehnisse im eigenen Land Sorgen. Allmählich schlossen immer mehr europäische Länder ihre Grenzen und „zwangen“ somit die Studierenden in ihre Heimatländer zurückzukehren.

„Es verging kein Tag, an dem man nicht mindestens eine Person mit seinem/ihrem Koffer aus der studentischen Wohnanlage gehen sah“, erzählt Alina. Die Verabschiedungen häuften sich. Nur ein paar wenige Studierende blieben resistent, schließlich war die Lage im Herkunftsland meist weitaus schlimmer als in Schweden selbst.

Donsö – Schäreninsel

Zum Glück gibt es in Göteborg so viele schöne Flächen draußen in der Natur, in der man ungestört in kleinen Gruppen wandern oder spazieren konnte, denn jetzt wurden auch die Studierenden ein bisschen vorsichtiger und versuchten den Kontakt zu anderen Menschen zu meiden. Meist traf man sich nur noch in ganz kleinen Gruppen für einen Spiele- oder Filmabend in der eigenen Wohnung. In der restlichen Zeit wurde gelernt und an Hausarbeiten geschrieben, denn Ende März fanden nun die Kurse im Online-Format statt. Die Gruppenarbeiten per Zoom-Meeting zu führen war jedoch nicht immer leicht, besonders wenn die Kommilitoninnen und die Kommilitonen aus unterschiedlichen Zeitzonen kamen. Einige Mitstudierende waren schließlich schon zurück in ihrem Heimatland.

Da sich die Situation einfach nicht verbessern wollte, flogen dann auch irgendwann die letzten Studierenden aus Alinas Freundeskreis zurück in die Heimat und damit einhergehend verlies auch Alina Schweden leider früher als erwartet und führte ab da ihr Auslandssemester per Zoom in Nürnberg weiter.

„Aber auch wenn mein Auslandssemester nicht ganz so verlaufen ist, wie ich mir das erhofft hatte, war die Zeit, die ich dort hatte, wunderschön. Göteborg ist eine tolle Stadt, mit netten Menschen und durch die zentrale Position sind auch andere Städte wie Stockholm, Malmö, Oslo oder Kopenhagen nicht allzu weit entfernt. Und auch beide Universitäten, sowohl die Universität Göteborg, als auch die FAU bzw.WiSo, haben sich bezüglich der Situation, in der wir aufgrund von Corona steckten, sehr verständnisvoll und pflichtbewusst verhalten, sodass man sich jederzeit unterstützt und gut aufgehoben gefühlt hat.“

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