>> Warum ist das Studium der richtige Zeitpunkt zum Gründen? Ein Einblick in die Start-up Welt in Nürnberg

Benjamin Bauer hat am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FAU studiert und ist mittlerweile Geschäftsführer des ZOLLHOF, dem Digitalen Gründerzentrum mit Sitz in Nürnberg. Seit seiner Schulzeit ist er als Gründer aktiv, u.a. als Co-Founder von UniCoach, einem Education-Tech Startup an 30 Hochschulen in Deutschland. Er ist außerdem Gründer und ehem. Vorstand des Gründermagnet, dem größten Verband für studentische Gründer in Deutschland mit über 7.000 Mitgliedern an 55 Standorten. Auch als Advisor mehrerer Start-ups, sowie Jurymitglied von Startup-Wettbewerben kennt er sich bestens aus in der Start-up-Welt – Zeit ihm ein paar Fragen zu stellen!

Welche Möglichkeiten gibt es in Nürnberg für Studierende erste Einblicke in die Start-up Welt zu bekommen?

Aus studentischer Sicht gibt es eigentlich ziemlich viele Anlaufstellen: Natürlich zum einen die Initiativen, wie START, die aktiv unternehmerisches Denken und Handeln fördern wollen. Ich glaube aber, dass genauso auch MTP oder JCT zum Beispiel hier einen wichtigen Beitrag leisten können. Es ist grundsätzlich am Anfang wichtig, dass man sich ein Netzwerk aufbaut, hierzu sind studentische Initiativen bestens geeignet. Wichtig und letztendlich die Keimzelle der Digitalwirtschaft in der Region ist der Coworking-Space in Nürnberg. Neben diesem gibt es zahlreiche Programme wie z.B. Startup.Digital.Nürnberg. Und natürlich der ZOLLHOF, wo wir für Studierende ein Talent Program anbieten. Hier hat man die Chance, in die Start-up Welt einzutauchen, an echten Cases unternehmerisch zu arbeiten, Prototypen zu programmieren oder Geschäftsmodelle zu testen. Der ZOLLHOF stellt dabei die Aufgaben zur Verfügung und begleitet die studentischen Talente methodisch und fachlich. Aus meiner Sicht eine einzigartige Möglichkeit, um hands-on und mit hoher Lernkurve an innovativen Themen zu arbeiten.

Mit welchen Start-ups und Firmen arbeitet der Zollhof zusammen?

Wir haben 26 Start-ups mit denen wir zusammenarbeiten – 13 davon sitzen bei uns in Nürnberg im Office. Ein Beispiel: Smart City Systems entwickelt einen smarten Parkplatzsensor – ein handygroßes Gerät mit Magnetfeldtechnologie, was auf den Asphalt geklebt wird und tracken kann, ob ein Auto darüber steht oder nicht. Eine Software im Hintergrund verarbeitet und verkauft die Daten dann an Parkplatzmanagementanbieter.
Die Start-ups bei uns haben oft einen B2B-Fokus, also Business-to-Business. Das ist auch etwas, worin wir in Deutschland und vor allem in Bayern sehr gut sind, weil es einfach viele große etablierte Unternehmen gibt – einen großen starken Mittelstand – und viele Start-ups, die natürlich für diese Unternehmen Produkte bauen. Und hier sind wir auch im Zollhof stark: Wir haben ein großes Partnernetzwerk, arbeiten mit Siemens, Schaeffler, der HUK Coburg, Nürnberger Versicherung oder adidas zusammen. Diese Unternehmen sind alle auf der Suche nach neuen innovativen Technologien und möchten die eigene Organisation moderner und „digitaler“ machen.

Du hast selbst neben dem Studium gegründet, wie war das für Dich?

In Retrospektive war es der beste Zeitpunkt zu gründen, weil man noch viel Zeit hat, wenig Stress, kein Risiko, irgendwie eine WG mit entsprechend Platz usw. Klar, ist es natürlich anstrengend und eine Doppelbelastung während des Studiums, vor allem, weil ich nicht nur das Start-up gegründet habe, sondern auch noch den Verband in Berlin. Ich denke, während des Studiums zu gründen, ist besser, als es im Beruf zu machen, da man relativ risikofrei Dinge testen kann. Wenn man im Berufsleben steht und für drei Jahre den Job kündigt, es dann aber nicht klappt, muss man zumindest in Deutschland diesen Gap im Lebenslauf erklären. Mittlerweile ist das zum Glück aber zunehmend ein Plus und viele Firmen sehen auch, dass gerade gescheiterte Gründungserfahrung sehr wertvoll ist.

Wie sieht aktuell ein typischer Tag in Deinem Leben aus?

Grundsätzlich klingelt zwischen 6 und 6:30 der Wecker, dann bin ich so spätestens um 8 im Büro. Mein Arbeitstag endet so gegen 23 Uhr. Es ist also viel los aktuell und es gibt immer genug zu tun – wie das eben so ist in einem Startup: Action Pur! Ein typischer Tag besteht auf jeden Fall aus vielen Terminen hier im Team. Ich habe aber auch oft Partner oder Start-ups da, bin in Gesprächen und auch regelmäßig unterwegs.

Welchen Rat würdest Du gern an Gründungsinteressierte weitergeben?

Ich glaube zwei Dinge: Grundsätzlich ist das Start-up Leben nicht so fancy und sexy, wie man es aus Höhle der Löwen und von irgendwelchen Instagram-Predigern kennt, sondern wirklich in erster Linie viel Arbeit. Was ich immer wieder sehe – gerade so in diesem aktuellen Start-up Hype – ist, dass viele das ein bisschen als Lifestyle sehen und auf coole Gründerparties gehen und sich jeder „Co-Founder“ und „Entrepreneur“ nennt. Aber da steckt mehr dahinter: Alle erfolgreichen Start-ups arbeiten einfach sehr sehr viel und das ist glaube ich so der Kern, dessen muss man sich bewusst sein. Mein Rat wäre es, sich da nicht blenden zu lassen: Es ist meistens 90% Work hard und nur 10% Play hard.

Der zweite Advice den ich geben würde, wäre so oft und mit so vielen Leuten wie möglich über die Idee sprechen, weil die eigentliche Idee 0€ wert ist. Alle großen Start-ups, die es gibt, haben vorher eigentlich einen anderen Plan gehabt: Ein Instagram war vorher nicht Instagram und ein Airbnb war vorher nicht Airbnb. Fast alle haben sich irgendwann mal gewandelt und gedreht und das ist nur entstanden, weil man viel getestet und viel Feedback bekommen hat. Es besteht oft die Angst, dass Ideen geklaut werden – aber die Gefahr, dass eine Idee geklaut wird ist viel kleiner, als der Nutzen den man haben kann, wenn man öfter darüber spricht. Das heißt: Testet eure Ideen und Produkte auf Marktfähigkeit und holt euch so viel Feedback wie möglich.

Vielen Dank an Benjamnin für das spannende Interview!

Weitere Informationen zum ZOLLHOF finden Sie auf der Website des ZOLLHOFs.

Bildrechte: Zollhof Betreiber GmbH, shutterstock